Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

400 Zweites Buch, Vorbemerkung. 
kann daraus entnommen werden. Auch ist der Verfasser nicht ge- 
blendet von den Erfolgen der Gegenwart und stimmt kein Loblied 
anf die erreichte beste der Welten an — sondern entwickelt mäs- 
sige und durchdachte Reformvorschläge, unter denen das „allotment 
system‘‘ eine grosse Rolle spielt. 
Es fehlt auch nicht an Schriften, welche ohne leidenschaftliche 
und gehässige Parteinahme für den Arbeiterstand gegen das herr- 
schende Manchesterthum Front machen und von höheren Gesichts- 
puncten als dem des privaten Interesses aus den Leiden der Ar- 
beiter abzuhelfen trachten, So das annonyme Buch „Claims of labour‘, 
1. Ausgabe 1844, welches sich auf Dr. Arnold bezieht, und einen 
ernsten schönen Aufruf an Humanität und Pflichtgefühl erlässt und 
behauptet, die Regierung könne nicht inaetiv bleiben, Der ;Ver- 
fasser beruft sich auch auf Thatsachen nach officiellen Quellen sei- 
oer Zeit — statt einer allgemeinen historischen Entwicklung von 
Thatsachen wird uns aber zumeist nur eine wohlgemeinte Predigt 
zeboten. 
In diese Zeit fällt ein Werk von grosser allgemeiner Bedeu- 
tung: "Thomas Carlyle, Chartism, Past and Present, wovon mir nur 
lie spätere Ausgabe von 1870 zu Gebote stand. Es zeichnet sich 
aus durch. die schneidende Kritik, welche an dem damals herrschen- 
den Geiste des Manchesterthums geübt wird, und durch den Ernst, 
mit dem der Verfasser seinen Landsleuten die Pflichten gegen die 
unteren Classen ins Gedächtniss ruft. 
Offenbar von Carlyle vielfach angeregt und auf Gaskell ge- 
stützt liess Friedrich Engels im ‚Jahre 1845 sein Werk über die 
Lage der arbeitenden Classen in England erscheinen, das im Jahre 
1848 mit neuem Titel, aber unverändertem Text nochmals auf den 
Markt gebracht wurde. Es ist das erste Buch, welches deutschen 
Lesern über die Gefahren und Leiden eines Fabrikproletariats, wie 
es in England existirte, die Augen öffnete und schon deshalb kann 
dem Buche ein grosses Verdienst nicht abgesprochen werden. E® 
ist freilich ein höchst tendenziöses Buch. Nicht dass es schwarz in 
schwarz malt — denn die behaupteten Thatsachen sind theils 
officiellen Quellen entnommen, theils (und zwar vorwiegend) beruhen 
sie auf zuverlässiger eigener Anschauung. Wenn fast nur solche 
Thatsachen aufgeführt sind, welche die Zustände absolut trostlos 
erscheinen lassen, so muss man bedenken, dass Engels zu einer 
Zeit schrieb, in der zwar mit der Fabrikgesetzgebung schon ein 
Anfang gemacht, diese aber noch zu keinerlei wirksamem Abschluss 
gelangt. war; ‚vielmehr war es die Zeit, in welcher gerade Arbeit 
and Capital sich in leidenschaftlicher Weise kämpfend gegenüber- 
standen, die Leiden der Arbeiter durch Theuerung noch besonders 
vesteiyert waren. Bedenkt man. wie häufig Techniker und Kanf-
	        
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