Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Literatur. 
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damals kämpfenden drei grossen Ständen, Grundbesitzern, Capitalisten 
und Arbeitern, sondern insbesondere z. B. auch aus seiner Ansicht 
über den Chartismus, dem er keinen Erfolg prophezeite, sondern 
in dem er nur ein weiteres Element der Auflösung erkannte. 
Mehr als bei Engels überwiegt die Schilderung persönlicher 
Eindrücke die Verarbeitung von Quellenmaterial.‘ Man erfährt 
daher selbstverständlich relativ wenig über die Zeit vor 1832. 
Doch bleibt das Buch interessant, weil ja in den vierziger Jahren 
die Entwicklung seit 1760 gewissermassen ‚zu einem kritischen 
Wendepunkt gekommen war. . 
Verwandt mit: dem Venedey’schen. Buch sind. die Etudes sur 
VAngleterre von Leon Faucher, 2. Auflage, Paris 1856. Auch 
Faucher kommt als fremdländischer Beobachter nach England und 
schildert in feuilletonistischer Weise seine eigenen Eindrücke, die 
dann mit der Frucht verschiedener gelehrter Studien verbunden 
veröffentlicht werden. Es werden etwas mehr allgemeine Bilder 
und etwas weniger zufällige persönliche Erlebnisse gegeben als bei 
Venedey und Faucher ‚schreibt weit glänzender. Es kommen wirk- 
lich schöne Stellen vor, wenn z. B. Faucher seine eigene Bewunderung 
der Leistungen der englischen Grossindustrie mit dem Gefühl des 
Engländers vergleicht, der die französischen Cürassiere in der Schlacht 
bei _„Borodino applaudirte, oder wenn er die Stellung der Arbeiter 
zu den Mittelclassen in England vor der Reformbill mit der der 
Bogenschützen zu den Rittern im Mittelalter vergleicht. Das 
Buch muss hier erwähnt werden, weil die Schilderung der Lage 
der Arbeiter und Armen in den grossen Städten und der Wirkun- 
gen der Grossindustrie entschieden darin die Hauptsache sind, die 
Beschreibung einzelner Fabrikstädte, ihrer gemeinsamen und be- 
sonderen Eigenthümlichkeiten in der That überaus lebendig und 
gut ist. Vielfach malt dabei Faucher nicht minder schwarz als 
Engels; er geht dabei selbstverständlich nicht auf Revolution aus; 
in seinen Andeutungen über die Mittel zur Hebung der Missstände 
bleibt er aber schwach. Ein gewisses Behagen bei der Schilderung 
englischer Missverhältnisse ist nicht zu verkennen, wobei als 
leitendes Motiv ausser einer anerkennenswerthen allgemeinen Huma- 
nität unleugbar ein tüchtiges Quantum französischer Nationaleitel- 
keit wirkt, Der wahre Führer der Menschheit auf dem Wege fort- 
Schreitender Civilisation ist für Faucher nicht das aristokratische 
rauh energische England, sondern das demokratische Frankreich. 
— Einzelne Kapitel bei Faucher sind von besonderem Werth, 
So die Beschreibung von Manchester und Liverpool, die Abhand- 
lung über Statistik der Verbrechen ete. — 
In den vierziger und fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts hat 
Man sich in Frankreich viel mit der socialen Frage beschäftigt und 
DR *
	        
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