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in Folge ihrer Armuth unterblieb aber das Abschliessen eines
gestempelten, schriftlichen Lehrlingsvertrags, so dass z. B. in
Paisley von 800 Lehrlingen nur vier regelmässige „indentures“
hatten. Die Lehrlinge standen übrigens zu den sogen. Meistern
in dem Verhältniss, dass sie die Hälfte ihres Verdienstes als
Lohn bekamen. Die Armuth der aus ihrer Meisterstellung
factisch zu Arbeitern herabgedrückten Handweber machte ein
geordnetes Lehrlingswesen bei ihnen unmöglich und Sachver-
ständige erklärten, alle etwaigen neuen schärferen Gesetze
würden bei der Armuth der Weber unausgeführt bleiben.
Diese unregelmässigen auf Halblohn gesetzten Lehrlinge dienten
natürlich nicht 7 Jahre, sondern nur 2—3 Jahre lang.1).
Soweit noch ein Theil der alten Lehrlingsgesetze, nament-
lich in Bezug auf die Dauer der Lehrlingszeit, factisch durch
die Sitte befolgt wurde, wurde er oft nur zur Unterdrückung
und Ausbeutung der Lehrlinge als jugendlicher Arbeiter be-
autzt, z. B. in Birmingham, wo die Unternehmungen in kleinem
Maassstab noch immer vorherrschend blieben. Ich kann zwar
hier nur Zeugnisse aus späterer Zeit anführen, die aber be-
weisend sind, weil es sich um seit längerer Zeit eingewurzelte
Dehelstände handelt 2).
- Zweites Buch, Cap. 1.
’) Siehe Handloom weavers Report von 1834; Qu. 2906 fg., 2930
4872, 5637.
?) Der Children Employments Report II, 1843 S, 80 sagt über die
Zustände der Lehrlinge in Birmingham:
Die am meisten missbrauchte und unterdrückte Classe von Kindern
in diesem District sind die Lehrlinge und zwar am meisten diejenigen,
die an die kleinen Meister unter den Schlossern, Schlüssel- und Schrat-
benmachern etc. gebunden sind. Auch unter diesen kleinen Meistern
ziebt es ehrenwerthe und humane Männer, die auch durch die grösste AT-
muth nicht brutal werden. Aber Viele darunter behandeln ihre Lehrlinge
aicht sowohl mit Gleichgültigkeit und Strenge, als mit roher Gewaltthat,
die aus ungezügelter oft durch hitzige Getränke gesteigerter Leidenschaft
hervorgeht und sich an durch Ueberarbeit erschöpften Körpern, an Ge-
müthern ohne jede moralische oder religiöse Bildung äussert. Das wird
unter Anderen durch folgenden Zeugnisse belegt:
<** Zwölf Jahre alt, Schlüsselmacher; wohnt beim Meister;
hat nicht genug zu essen: geht oft ohne Frühstück, weil er seine Arbeit
vor dem Frühstück nicht fertig bringen kann. Geht oft ohne Mittag“