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Zweites Buch, Cap. 1.
auch für uns, dass die Lehrlingsordnung des alten Handwerks
nicht durch Willkür und Bosheit einzelner Menschen oder
Gruppen von Menschen unterging, sondern dass sie verschwand,
weil sie unmöglich geworden war. Die einfache zwangsweise
Wiederherstellung auch nur eines Theils der alten Handwerks-
ordnung im Zeitalter der Grossindustrie und des Welthandels
ist ein utopischer Wunsch.
& 3. Lohnregulirungen.
Nach der alten Ordnung wurden die Löhne der Arbeiter
durch Gesetz oder periodischen Spruch der Behörden festge-
setzt. Auch dies kam ausser Gebrauch oder wurde gemiss-
braucht und natürlich rief das Absterben dieses Theils der
alten Ordnung, sobald die Löhne niedrig wurden, noch grössere
Erregung hervor als das Absterben der Lehrlingsordnung,
weil der Lohn das Wohl und Wehe des Arbeiters am un-
mittelbarsten beeinflusst. Wie aus dem vorigen Paragraph her-
vorgeht, hingen übrigens natürlicher Weise die Bestrebungen
nach Beschränkung der Lehrlingszahl und nach Erhöhung
gedrückter Löhne praktisch sehr enge zusammen; beide
Zwecke wurden von Arbeitercoalitionen zugleich verfolgt,
Es gehört zu den interessantesten Resultaten des bekannten
Buches von Brentano ?), dass er ausführt, wie Verbände von Ar-
zeitern zur Vertretung ihrer Interessen allenthalben mit der
Auflösung der alten Ordnung entstanden. „Sobald Versuche zur
Beseitigung dieser Ordnung gemacht werden, sehen wir sie
“die Arbeiter und kleinen Meister), wo gesetzliche Abhhülfe
verweigert wird, zu deren Aufrechterhaltung coaliren ?).“
Im Einzelnen bedarf aber die Brentano’sche Darstellung
des historischen Hergangs der Ergänzung und Berichtigung.
Jedenfalls darf man sich die Sache nicht so vorstellen, als
wären allgemein in jedem Gewerhe unmittelhar nach Auflö-
i) Die Arbeitergilden der Gegenwart Bd. 1 Cap. 1.
N Brentano a. a. OS. 181.