Preistaxen und Marktpolizei. 471
Diese Beispiele mögen genügen, zu zeigen, dass die alte
Ordnung, welche die Produetion in technischer Hinsicht zu
beherrschen suchte, den Bedürfnissen der neuern Zeit gegen-
über unmöglich geworden war.
35. Preistaxen und Marktpolizel.
Die alte Ordnung in ihrer guten Zeit strebte nicht nur
die Meister in ihrer Stellung und in ihrem Erwerb zu sichern,
sondern sie sorgte auch für Arbeiter und Lehrlinge, die zwar
zum Dienst gezwungen wurden, aber denen auch ihr Aus-
kommen garantirt wurde. — So wenigstens war es nach den
Gesetzen der Elisabeth, wenn auch frühere Gesetze mehr an
Erzwingung billiger Arbeitskraft dachten und spätere die Ar-
beiterinteressen wieder vergassen. Immerhin gehörte es zu
den wesentlichen Principien der alten Ordnung, derzufolge
der Lehrling und Arbeiter ein künftiger Meister war.
Aber nicht nur in dieser Hinsicht zeigte die alte Ordnung
eine gewisse Vielseitigkeit und Billigkeit, sie dehnte ihre Rück-
sichtnahme auch auf die Consumenten aus, denen man wenig-
stens in Bezug auf die wichtigsten Lebensbedürfnisse Sicher-
heit der nöthigen Zufuhr auf den Markt und einen billigen
Preis für gute Waare gewährleisten wollte,
Ein Einschreiten der öffentlichen Macht zu diesem Zweck
war im frühen Mittelalter!) nicht nur nützlich, sondern ge-
radezu nothwendig. In gewaltthätigen, unfriedlichen, Zeiten,
bei allgemeiner Unkenntniss des Publieums. über die Waaren
und Unfähigkeit desselben, zu messen und zu wägen, bei ge-
ringer Concurrenz war es unerlässlich, in dieser Weise zu
helfen, sollte überhaupt Verkehr entstehen und wachsen. Die im
vorigen Paragraphen erwähnten Normalmaasse für die Länge des
Tuchs erklären sich z. B. auch daraus, dass es lange Zeit für
das Publicum bequem war, nach ein für allemal feststehenden
Maassen zu kaufen, an die man gewohnt war und mit denen
ı) S. darüber auch Ochenkowsky a. a. O. S. 80, 94 (vgl. oben S. 410).