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Zweites Buch, Cap. 2,
schöpf des Schutzzolles, durch welchen allein sie gegenüber
der französischen und italienischen Seidenmanufactur, welche
über billigeres Rohmaterial verfügten, aufkommen konnte.
Diese Industrie ist in der That ein Beispiel dafür, dass der
Schutzzoll gewisse Effecte erzielen kann, Dennoch brachte es
die englische Seidenindustrie nur in gewissen Produeten zur
Vollkommenheit und noch heute sind fremde Seidenstoffe
eines der wenigen Industrieproducte, die nach England in be-
merkenswerther Menge eingeführt werden. Der Schutz der
englischen Seidenmanufactur steigerte sich im vorigen Jahr-
hundert bis zur Prohibition, Es less sich dies verhältniss-
mässig leicht durchführen, da keine anderen inländischen In-
teressen dadurch direct beschädigt wurden. Mit diesem Mono-
pol hing nebenbei bemerkt auch die Möglichkeit zusammen,
die früher erwähnten Spitalfieldsgesetze (oben S. 444) so lange
aufrecht zu erhalten.
Die englische Seidenmanufactur verarbeitete im Anfang
des Jahrhunderts Rohseide, welche in Italien und in der Tür-
kei mit englischen Tuch gekauft wurde. Die Tuchindustrie
war also ihre Bundesgenossin in dem Begehren nach schär-
ferem Schutz, namentlich gegen die ostindische Concurrenz.?)
Die Gesetzgebung suchte das Einschmuggeln fremder Seiden-
stoffe mit allen Mitteln zu verhüten und die hohen Zölle zu
sichern, 1753 wurde durch 26. Georg II. c. 21 amtliche Sieg-
lung aller importirten Seidenstoffe verfügt.?) Indessen der
Schmuggel der kostbaren Seidenwaaren blühte dennoch weiter,
während die fiscalischen Rohseidenzölle die Seidenmanufaetur
beschwerten.
1765 petitionirten verschiedene Seidenindustrielle, Band-
macher, Handschuhmacher etc. um verschärften Schutz gegen
französische Concurrenz und freie Einfuhr von Rohseide,®) Ein
Committee von 1766 schlug sogar zeitweiliges absolutes Ver-
1) Journals, Vol. 19, S. 679; Vol. 20, S. 749, 784, 808; Vol. 21. S-
298 (1729).
?®) 5. auch Journals Vol, 26, S. 754.
®) Vol. 30, S. 65, 71, 87, 93, 110, 120, 141, 153, 158, 208, 376, 387,
871. 705. 758.