Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Zweites Buch, Cap. 3. 
Es ist allerdings wahr, dass Stellung und Wohlstand des 
alten zünftigen Meisters relativ viel mehr auf erworbener Ge- 
schicklichkeit und gesichertem Absatz beruhten als auf mate- 
viellem Besitz, Erst neuerlich hat Schönberg in seiner Finanz- 
geschichte von Basel wieder nachgewiesen, wie klein der 
Capitalbesitz der mittelalterlichen Industriellen war. Aber 
wenn wir von Capital nicht im Sinne von Capitalgütern oder 
von Privatvermögen einzelner Personen reden, sondern wenn 
wir darunter im übertragenen Sinn die Gesammtheit der 
Capitalisten, also eine Gruppe von Menschen verstehen, die 
mit socialpolitischer Macht ausgerüstet sind, so dürfen wir 
nie vergessen, dass diese Macht der Hauptsache nach nicht 
von der Grösse des Besitzes, sondern von der Art abhängt, 
wie der Besitz benutzt wird. Ein gewisses Minimum von 
Besitz braucht auch der zünftige Meister und heute kann 
Jemand Grosshändler und Fabrikant sein, indem der Credit 
die Kleinheit seiner eigenen Mittel ergänzt. 
Das zünitige Handwerk war‘ also nicht kurzweg feudal 
und es unterschied sich nicht so principiell scharf von der 
heutigen Bourgeoisie, Auch finden wir schon im Mittelalter 
selbst Fälle von grossen Capitalien und Industrien mit Absatz 
in weite Fernen mit grossem Betrieb. Soweit der Unterschied 
nicht rein quantitativ‘ ist, besteht er nur darin, dass das alte 
Handwerk eine Pflichten auferlegende vollständige Organisation 
entwickelt hatte, während wir betreffs der heutigen Industrie 
noch in den Anfängen der Entwicklung einer neuen Ordnung 
stecken. 
Das Dritte, was gegen die Socialdemokratie eingewendet 
werden muss, ist endlich dies, dass sie zwar dem modernen 
Sapital das Verdienst einer bisher unerhörten Steigerung der 
Production zugesteht, es aber höchst einseitiger Weise in 
socialer Hinsicht rein als revolutionäre, illegitimer Weise aus- 
veutende, Ordnung und Gerechtigkeit auflösende und daher 
neue Revolution erzeugende Macht hinstellt. 
Dies ist eine extreme Anschauung gegenüber der anderen, 
ahbenso extremen und falschen. welche das Verhältniss zwischen
	        
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