Die Formen der Industrie. 541
sellschaftlichen und staatlichen Lebens macht. Nicht die
Gleichheitsidee, sondern die Lehre von den. söcialen Pflichten
und eine ideale Auffassung des Staats muss gegen das heutige
Capital ausgespielt werden, damit es eine die grösstmöglichen
Dienste leistende Macht werde. —
Das ist der Standpunct, von dem aus ich das heutige
Capital betrachte. Doch wir haben ja hier zu untersuchen, wie
die heutige Macht und Stellung des Capitals und zwar speciell
des industriellen und mercantilen Capitals entstanden ist.
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir vor Allem
vier sociale Grundformen des Gewerbebetriebs unterscheiden,
die sich in der Geschichte unserer Völker deutlich erkennen
lassen und die viel wichtiger sind als z. B. die rein technischen
Unterschiede, die auf der Anwendung von Maschinen, Dampf-
und Wasserkraft ete. beruhen. Die Namen, die ich für diese
Unterschiede gebrauche, sind nicht allgemein acceptirt und
bis zu gewissem Grade willkürlich. Doch nicht auf den
Namen, sondern auf die Sache kommt es an. Demgemäss
unterscheide ich:
1) Familienindustrie,
2) Handwerk,
3) Hausindustrie,
4) Fabrikindustrie ?).
Natürlich giebt es im wirklichen Leben immer Fälle, die
zwischen zweien oder mehreren dieser Kategorien in der Mitte
stehen. Aber zu jeder Zeit waren einzelne dieser Formen
typisch und scharf ausgeprägt; danach, ob die eine oder
andere Grundform und die ihr entsprechende Ordnung herrscht,
d. h. vorherrscht, bestimmt sich der sociale Charakter des
ganzen gewerblichen Lebens.
Unter Familienindustrie verstehe ich eine gewerkliche ®)
1) Man vergleiche damit die etwas detaillirtere Eintheilung bei Thun,
die Industrie äm Niederrhein, Leipzig 1879, Th. 2, S. 246.
2) Nach präcisem Sprachgebrauch versteht man unter Gewerbe jede
des Erwerbs halber betriebene productive Berufsthätigkeit, also auch
Handel und Landwirthschaft. Unter Gewerke oder Industrie (nach Em-
minghaus) die mechanische oder chemische Verarbeitung der von der Ur-