Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

542 Zweites Buch, Cap. 38. 
Thätigkeit, die nicht auf Absatz speculirt. Es gehört hierher 
das Spinnen und Weben der Frauen im Hause, aber auch die 
grössere, umfänglichere, industrielle Arbeit in Klöstern und 
auf Herrenhöfen — wenn nur für bestimmte Consumenten 
direct gearbeitet wird, ohne dass nach vollendeter Production 
und vor dem Uebergang des Products in den Consum ein 
Tausch- oder Handelsact stattfindet. Die Familienindustrie 
kommt noch vor — im Kleinen in Gestalt des Schneiderns im 
Hause ete. und im Grossen in Gestalt der Maschinenfabriken 
grosser Eisenbahnen, der Waffenfabriken des Staats etc. Allein 
die kleine Familienindustrie verliert bei wachsender Arbeits- 
theilung immer mehr an Bedeutung; die grosse, welche von 
Actiengesellschaften und vom Staat betrieben wird, ist heute 
genöthigt zu rechnen und Buch zu führen, wie die ad 4, ge- 
nannte Fabrikindustrie, d.h. abgesehen davon, dass sie immer 
aine Ausnahme ist und für die Industrie im Ganzen keine 
dominirende Stellung einnimmt, hat sie ihren alten Charakter 
verloren. Nicht nur beim Einkauf der Rohstoffe, sondern be- 
treffs der Producte selbst muss sie auf die Marktpreise Rück- 
sicht nehmen. Wir können diese älteste Form des industriellen 
Betriebs daher füglich übergehen. 
Das Handwerk ist ein industrieller Betrieb, welcher, sei 
es auf Bestellung, sei es unter Speculation auf noch unbe- 
kannte Abnehmer, Producte herstellt und diese an einen ausser- 
halb des Producentenkreises stehenden Consumenten verkauft. 
Dadurch unterscheidet es sich von der Familienindustrie. Das 
Handwerk hat einen, wenn auch beschränkten Markt. Der 
Unterschied gegen die folgenden Betriebsformen ist der, dass 
an der Spitze des Betriebs ein selbständiger Meister steht, 
welcher die Rohmaterialien selbst einkauft, die Werkzeuge 
selbst besitzt, Eigenthümer der Producte wird und diese an 
den Consumenten selbst direct absetzt. Dieser selbständige 
production (Landwirthschaft etc. und Bergbau) gelieferten Stoffe. Da wir 
hier keine dogmatischen, sondern historische Untersuchungen treiben, so 
dürften durch den gemischten Gebrauch der Worte Industrie, Gewerke 
und Gewerbe keine Missverständnisse entstehen.
	        
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