Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Zweites Buch, Cap. 3. 
bei den vier aufgezählten Formen des Gewerbebetriebs stehen 
bleiben. 
So sehr diese vier Betriebsformen in der Wirklichkeit in 
einander übergehen, es lässt sich dennoch erkennen, dass zu 
jeder Zeit und in jedem Productionskreise die eine oder andere 
Betriebsform dominirt. Es ist klar, dass von diesen Formen 
das eigentliche Handwerk die grösste Harmonie zwischen 
Capital und Arbeit zeigt, während es zugleich, weil €8 
— allmälig zu Meistern aufsteigende — Lehrlinge und Ge- 
sellen hat, eine die Production fördernde organische Unter- 
ordnung der. werdenden unter die fertigen Kräfte kennt. In 
der Fabrikindustrie die alte Harmonie zwischen Arbeit und 
Capital in grossem Stil durch Productivassociation oder An- 
theilswirthschaft wieder herzustellen ist vor der Hand in irgend 
nennenswerther Ausdehnung noch nicht gelungen, 
Dennoch ist es verkehrt, das Absterben der Herrschaft 
des Handwerks ohne Weiteres als sociales Unglück zu be- 
zeichnen und die erzwungene Wiederherstellung der Herrschaft 
des Handwerks anzustreben. Dasselbe verträgt sich nicht mit 
grösserem Absatz, Welthandel und internationaler Arbeitsthei- 
lung. Und die Fabrikindustrie ist ihm durch ihre grössere 
Arbeitstheilung in Bezug auf reichliche und billige Production 
unendlich überlegen. Durch Ausdehnung von Haus- und Fabrik- 
industrie ist also Grosses gewonnen worden, auf das wir nicht 
verzichten können. Und wenn es eine grosse Frage ist, wie 
auch in der Grossindustrie wieder Friede zwischen Capital 
and Arbeit hergestellt werden könne, so ist es keine Frage, 
dass wir ausser Stande sind, die Grossindustrie wieder ab- 
zuschaffen. 
Weder in Deutschland, noch in England selbst sind bis- 
her kleine handwerksmässige Gewerksbetriebe ganz ausge- 
storben. Schuster und Schneider, die nach Maass arbeiten, 
Tapezierer, die einzelne Zimmer tapezieren, Bäcker und Flei- 
scher, die im Kleinen produciren, Kunstindustrielle und Repa- 
raturarbeiter aller Art giebt es noch immeıfort. Aber ihre 
Interessen sind nicht mehr tonangebend, wenn von der „In- 
dustrie“ die Rede ist. Ihre Arbeitskräfte gehen frei in die
	        
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