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Zweites Buch, Cap. 4.
dehnung der Arbeitszeit um 25—40%, ohne jede vermehrte
Lohnzahlung unter Umständen für den Fabrikanten vortheil-
hafter als eine Ausdehnung der Arbeitszeit um 100 %, bei
der man auch ohne Lohnerhöhung doch jedenfalls doppelt so
viel Lohn bezahlen müsste, weil man doppelt so viel Arbeiter
brauchte. —
Durch die grosse Fabrikindustrie mit Maschinen wuchs
die Menge des Capitals auf gewerblichem Gebiete, die Macht
des Capitals über die gewerkliche Arbeit wurde eine mehr
directe und drückende. Gebieterisches eigenes Interesse zwang
sogar den Capitalisten zu härteren Anforderungen an den
Arbeiter, während der rein kaufmännische Herr der Haus-
industriellen keinen Antrieb hatte, die Arbeiter zu drücken,
aur sich eventuell nicht um sie zu bekümmern.
Sowie kostspieliges und nur concentrirt an bestimmten
Puneten benutzbares fixes Capital nothwendige Bedingung er-
folgreicher Industrie war, wurden die Besitzer solchen Capitals
aus Leuten, die den Absatz in der Hand hatten und das Ein-
kommen der Arbeiter bestimmten, zugleich Herren der Arbeit
als solcher, indem sie direct dietirten, wann, wie und wo ge-
arbeitet werden sollte, Sie wurden Herrn, die lediglich von
egoistischen Interessen geleitet waren und durch die Con-
currenz zu rücksichtslosem Egoismus gedrängt wurden. Und
so begannen nach den ersten Zeiten hoher Löhne in den
ersten Fabriken für die Fabrikarbeiter harte Tage. Und die
Leiden der proletarischen Fabrikarbeiter übertrugen sich oft
in verstärktem Maass auf andere zahlreichere Kategorien be-
sitzloser Leute — und dennoch gilt von diesen Wirkungen der
Maschinen dasselbe, was von der Macht des Capitals überhaupt
gilt: sie verstärkten die Productions- und damit die Consum-
tionsfähigkeit der Menschheit im Ganzen, sie sind im letzten
nothwendigen Effect ein Fortschritt und ein Segen. Und wenn
sie zu Leiden der Arbeiter veranlasst haben, so müssen sie
solche nicht fortgesetzt hervorrufen. Beschleunigung des
leidensvollen Uebergangsprocesses — nicht Zulassung der
Maschinen ist die Frage, die sich der vorurtheilsfreie Denker
zu stellen hat und zu deren Beantwortung die geschichtliche