Die Reihenfolge der Erfindungen. 601
nur die concentrirte Folge des verschärften Gegensatzes zwi-
schen Arm und Reich. Nicht Verbot der Maschinen konnte
da helfen, sondern Verwendung eines Theils-des im Allgemeinen
gestiegenen Reichthums im Interesse der Aermsten und
Schwächsten. — -
Besondere Eigenthümlichkeiten zeigen sich bei dem all-
mäligen Eindringen der Maschine in die alte Tuchindustrie.
Es wurde nämlich hier nicht nur schliesslich die mechanische
Spinnerei und Weberei im Anschluss an die Baumwollindu-
strie eingeführt!), sondern vorher schon wurden allerlei Ma-
schinen für die vorbereitenden und abschliessenden Processe
der Tuchproduction benutzt und auch diese partiellen Um-
wälzungen der Technik riefen Störungen der gewohnten Er-
werbsweise der Arbeiter hervor. Eine grössere Rolle spielte
hier insbesondere die Walkmühle (gig-mill).
Da die Tuchindustrie schon im Mittelalter bedeutend war,
so bestanden für dieselbe noch lange Gesetze, welche im Geiste
des Mittelalters jedem Arbeiter den gewohnten Erwerb sichern
wollten und gegen das Interesse einer Ausdehnung der Ge-
sammtproduetion gleichgültig waren. Dahin gehört das Ver-
bot gewisser Maschinen und das Verbot der Vereinigung einer
grösseren Zahl von Webstühlen unter einem Dach. Die Gig-
mill speciell war in Gloucestershire Jängst in Gebrauch, es
entstand aber unter Berufung auf angebliche gesetzliche Ver-
bote derselben 1802 in Wiltshire und Somersetshire Aufreg-
ung gegen diese Neuerung 2), in Gloucestershire schon früher. ®)
Die Jenny und die neuen Krämpelmaschinen fanden *) etwa
seit 1780 langsamen Eingang und dies verminderte die Be-
schäftigung ganz kleiner Kinder, die bei dem alten Processe
der Handarbeit noch besser verwerthbar waren.°) Es wurden
aber diese Maschinen auch von kleineren Unternehmern be-
nutzt und die Concentrirung der Tuchindustrie in grossen
1) Report on Woollen Manufacture 1806, S. 440.
2a. a. O0. S. 8.
3) S. den nächsten Paragraphen. ,
+) Report on Woollen Manufacture 1806, S. 78.
5) a. a, O0. S. 32, 52.