Frauen- und Kinderarbeit,
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sein, in 3—4 Jahren die Waare so billig zu liefern, dass es
nicht mehr der Mühe werth sein würde, französische Waare
ainzuschmuggeln.“
Auch in den Seidenmanufacturen, die seit Anfang des
Jahrhunderts bestanden und sehr begünstigt wurden, waren
ziebenjährige Kinder beschäftigt *).
Hausindustrie und Manufaeturen hatten langsam das ge-
werbetreibende Publicum daran gewöhnt, Kinder als Arbeits-
kräfte willkommen zu heissen und sich nicht auf die. Aus-
bildung von Lehrlingen als solche zu beschränken. Auch hier
begann die Fabrikindustrie nicht eine neue Entwicklung,
sondern trieb eine schon begonnene auf die Spitze und
drängte dadurch zur Lösung der grossen Frage.
Arkwright selbst war es, der in seinen Fabriken syste-
matisch Kinder benutzte und durch diese Verwendung und
Organisation neuer billiger Arbeitskräfte noch mehr als durch
die geschickte Benutzung neuer Technik die geschlossenen
Fabriken begründete. Schon Aikin®) erkannte, dass hier ein
grosser Missstand vorlag; er dachte noch nicht an schützende
Gesetze, sondern an freiwillig zu schaffende Wohlfahrtsein-
richtungen, er beschreibt uns aber den Zustand schon gerade
so, wie er später zur Zeit der Fabrikgesetze geschildert wurde:
die Kinder, so erzählt er, in den Baumwollspinnereien werden
von den Werkhäusern in London und Westminster gesammelt
und in Haufen als Lehrlinge zu Meistern transportirt, die
hunderte von Meilen entfernt wohnen. Sie dienen da gänzlich
unbekannt und ungeschützt und vergessen von denjenigen,
denen die Sorge für sie nach Natur oder Gesetz obliegt. Sie
arbeiten zu lange, oft in die Nacht hinein, in schlechter Luft,
unreinlich und argen Temperaturwechseln. ausgesetzt. Am
Ende der sogenannten Lehrlingszeit sind sie zu Nichts zu
brauchen, die Mädchen werden keine Hausfrauen, Die Kinder
verwildern und wachsen ohne religiöse Erziehung auf. „Das
Publieum. hat ein Recht darauf zu sehen, dass seine Glieder
1) Journals Vol. 30 S. 98.
2) a. a. O0. S. 219 ff.