Gesundheits- und Wohnungsverhältnisse. ‚639
Todesfälle nicht auf die der Lebenden in den betreffenden
Gruppen reducirt ist. Wenn wir aber auch die hier berech-
neten Zahlen nicht als richtig anerkennen können, so bringt
der Bericht doch von Sachverständigen bezeugte Thatsachen
genug, welche überhaupt beweisen, welchen hervorragend
schlimmen Einfluss die Wohnungsverhältnisse in den Haupt-
sitzen der Capitalherrschaft hatten.
Der Bericht erklärt, dass die Zahl der jährlichen Todes-
fälle in Folge von Fieberkrankheiten, die aus Unreinlichkeit
entstehen, in England und Wales doppelt so gross sei als der
Menschenverlust der Allirten bei Waterloo.!) Er entwirft ein
erschreckendes Bild von Strassen ohne Canalisation, Arbeits-
räumen ohne Ventilation, von überfüllten Wohnungen und
Logirhäusern in Bergwerks- und Industriebezirken.?) Besseres
Einkommen und höherer Lohn schützten nicht gegen dieses
Elend.) Es war ganz üblich, dass in den engen Wohnungen
mehrere Leute in demselben Bett schliefen.*‘) In Schottland
nahm die Zahl der Häuser überhaupt, aber nicht die der
Häuser für die unteren Classen®) zu. Allgemein war es auf
dem Lande besser als in den Städten, in denen meistens ein-
zelne Districte, in welchen die ärmeren Classen zusammenge-
pfercht wohnten, als Pestheerd wirkten... Jede Seite des Be-
richts fast liefert den Beweis, dass mit dem Durchschnitts-
einkommen der Arbeiter eine sanitätisch richtige Lebensweise
zu ermöglichen wäre, dass aber die schlechten Gewohnheiten
der schlecht und unhäuslich erzogenen, nur in längeren Perio-
den bezahlten Arbeiter, der Mangel an guten Wohnungen und
an Baupolizei eine solche Lebensweise verhindern. Die Quint-
essenz des ganzen Berichts ist: durch die Herrschaft des grossen
Capitals, durch Fabriken und grosse Städte sind die arbeiten-
den Classen nicht ärmer geworden, aber sie sind verwahrlost.
Die herrschende Classe und die öffentliche Gewalt kümmern
aa 0.8, 3.
2) a. a. 0. 8. 5—23, 25—27, 98—150.
3) aa. 0. S. 139, 177.
2a. a 0. 8. 124.
5) a. a. O0. S. 120.