Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Vortrag über 
setzliche Regulirung des Lohns gegen die „Concurrenz“ ge- 
holfen werden. 
Diese Forderungen sind verstummt. England ist ein 
Fabrikstaat geworden. Kein Verständiger denkt an künstliche 
Erhaltung des Handwerks und der Hausindustrie. Mögen sie 
nebenbei bestehen, wo und wie sie können — die Hauptfrage 
aber dort ist: 
Wie kann man dem Fabrikarbeiter guten und sichern 
Lohn geben; 
wie das Capital an Ausbeutung von Frauen und Kindern 
verhindern; 
wie kann man unter den Fabrikarbeitern einen neuen 
Mittelstand des gelernten nebenbei besitzenden Arbeiters 
heranziehen ? 
Und die ungelöste Frage ist: Wie kann man den neuen 
Herrenstand der Fabrikanten erziehen, dass er sich die poli- 
tischen Tugenden der alten Aristokratie aneignet. — 
England hat gleichsam für die ganze Culturwelt diese 
Entwicklungen durchgelebt und bis zu einem gewissen Grade 
die fertigen Resultate auf die andern Länder übertragen, Bis 
zu Ende der dreissiger Jahre dieses Jahrhunderts war Deutsch- 
lands Industrie der Hauptsache nach noch Handwerksindustrie, 
wenn diese auch nicht blühte. Aber während das Handwerk 
unter fortwährender Auflösung seiner zünftigen Formen über- 
haupt fortlebte, war die Grossindustrie noch schwach und der 
neue Herrenstand war noch kein Element unseres socialen 
Lebens, 
Da kamen zugleich Eisenbahnen und Zollverein und 
schufen für die deutsche Industrie ein grosses Absatzgebiet, 
an dem es bisher gefehlt hatte. Damit begann ein Aufschwung 
der Grossindustrie; die städtische Bevölkerung wuchs nun in 
stärkerem Verhältniss als die ländliche. Es begann die Ent- 
wicklung, der zufolge Deutschland heute zu den Ländern ge- 
hört, die mehr Industrieproducte ausführen als einführen, und 
einen Theil ihrer Nahrungsmittel vom Ausland beziehen 
müssen — ein Zustand, der in England seit 1783 definitiv ist. 
Als diese Entwicklung begann. war die Fabrikindustrie
	        
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