Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

684 
Vortrag über 
und die Organisationsversuche, die frei gemacht werden, Stär- 
ken und anerkennen, Auf langsame Erfolge müssen wir da- 
bei unzweifelhaft gefasst sein; — trotzdem ist die Grossindustrie 
selbst das Gebiet, worauf es ankommt. 
Eine Organisation des eigentlichen Handwerks, wo und 
wie es eben noch fortbesteht, ist nebenbei gewiss von Nutzen; 
jede corporative Zusammenfassung der Mitglieder desselben 
Standes, der Träger gleicher Interessen, giebt sittlichen Halt 
und wirthschaftliche Stärke. Nur glaube man nicht, dass 
Handwerkerinnungen direct ein bedeutendes Stück der eigent- 
lichen socialen Frage der Neuzeit lösen. Auch glaube man 
nicht, dass es dadurch möglich werden wird, das Existenzge- 
biet des Handwerks dauernd bedeutend zu erweitern, Und 
am wenigsten glaube man, dass durch Wiederbelebung alter 
Zwangsbestimmungen und Privilegien irgend etwas genützt 
werden kann, ja dass diese überhaupt nur möglich sind, 
Der Gedanke, alle Handwerksmeister zum Beitritt zu In- 
nungen zu zwingen, oder doch bessere Jurisdiction über alle 
Gewerbsgenossen zu geben, muss scheitern an der Unmöglich- 
keit, heute scharf zu unterscheiden, wer Kaufmann und wer 
Handwerker ist, wer dieses oder ein anderes Handwerk treibt, 
wer Accordarbeiter, Handwerksmeister oder Fabrikant ist. 
Zünfte mit ausschliesslich berechtigten Meistern müssen die 
Handwerksgesellen nur um so mehr in den Bund mit den 
Fabrikarbeitern treiben und sie zu systematischen Feinden 
der Meister machen... Meisterprüfungen sind bei dem heutigen 
schnellen Wechsel der Technik und der entwickelten Arbeits- 
theilung im Handwerk selbst unmöglich, respective unnöthig. 
Selbst Lehrlingsgesetze — was sollen sie heute? — Es müssen 
technische Schulen heute die praktische Lehre theilweise er- 
setzen; letztere selbst aber kann nicht mehr bei jedem Mei- 
ster gleichmässig und vollständig in derselben Zeit gegeben 
werden. Wollen aber die Handwerksmeister sich durch strenge 
Lehrlingsgesetze billige jugendliche Arbeiter sichern, so mögen 
sie bedenken, dass der Erfolg solcher Versuche sein wird: 
Es wird Niemand mehr Lehrling, sondern jeder Anfänger 
wird jugendlicher Arbeiter in einer Fabrik.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.