J, Ueber die Zustände in den Kohlenbergwerken. 713
der dann in langsamer aber ständiger Entwicklung bis zum 30. bis
40. Lebensjahre hin einen äusserst ernsten Charakter annimmt, so
30 dass jede Generation aus dieser Volksclasse gewöhnlich nach dem
50. Lebensjahre ausgestorben ist.
Seite 258: Wenn man die Ausdehnung dieses Industriezweiges, die
grossen Capitalien, die darin angelegt sind, und den nahen Zusammen-
hang ins Auge fasst, in welchem er als eine Hauptquelle unseres
nationalen Reichthums und unserer Grösse mit allen andern grossen
Zweigen des Handels md Gewerbes steht, so ist es eine Genugthu-
ung, durch unzweifelhafte Beweise zu folgenden beiden Schlüssen ge-
'angt zu sein:
L. Wenn in den Kohlenbergwerken für ordentliche Ventilation und
Abzugskanäle gesorgt ist und sowohl die Haupt- wie die Neben-
gänge eine leidliche Höhe haben, so sind dieselben nicht nur nich
gesundheitschädlich, sondern, da die Temperatur darin eine mäs-{
zige und sehr gleichmässige ist, als Arbeitsstätten betrachtet sogar
gesunder und angenehmer, als diejenigen, in welchen manche Ar-
beit auf der Oberfläche der Erde verrichtet wird.
2, Die Arbeit des Hin- und Herschiebens der beladenen Kohlenwagen
von den Werken nach den Hauptgängen oder nach dem Ausgang
des Schachtes, wie sie hauptsächlich den Kindern und jungen
"euten obliegt, ist nicht nur ihrer Natur nach durchaus keine un-
gesunde Thätigkeit, sondern dieselbe könnte sogar, da dabei eine
starke Entwicklung der Armmuskeln, der Schultern-, Brust-,
Rücken- und Beinmuskeln stattfindet, ohne dass irgend ein Kör-
pertheil dabei in eine unnatürliche und peinliche Lage gezwungen
wird, auch allen andern Organen eine ebenso fördersame und ge-
sunde Anregung gewähren, wenn nicht soviel Missbrauch damit
getrieben würde; denn die körperlichen Schäden , welche diese
Thätigkeit in ihrer jetzigen Handhabung hervorruft, sind, abgesehen
von denjenigen, welche durch ungenügende Ventilation und Ab-
zugscanäle verursacht werden, hauptsächlich dem Umstande zu-
zuschreiben, dass die Kinder in zu jungen Jahren dabei angestellt
werden, und dass die Arbeit zu lange Zeit hindurch fortgesetzt
wird. In einem Falle jedoch bieten sich ganz besondere Schwie-
rigkeiten dar, nämlich dann, wenn alle unterirdischen Gänge und
besonders die Seitengänge unter einer gewissen Höhe sind: die
Zeugenaussagen, welche diese Commission gesammelt hat, bewei-
zen, dass es einzelne Kohlenbergwerke giebt, die jetzt in voller Ar-
5eit sich befinden, in welchen diese Gänge so niedrig sind, dass
selbst die allerjüngsten Kinder nur darin vorwärts kommen kön-
nen, indem sie auf Händen und Füssen kriechen und in dieser
widernatürlichen Stellung die beladenen Karren hinter sich her