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Belegstellen,
Bett; in demselben Zimmer schlief noch ein Miether. Ich habe mich
zwei-, dreimal überzeugt, dass in Hull eine Mutter mit ihrem erwachsenen
Sohne in einem Bett schlief und dass meistens noch andere Personen in
demselben Zimmer in einem andern Bette schliefen. In einem Keller in
Liverpool fand ich eine Mutter und ihre erwachsenen Töchter auf einem
Bette von Spreu auf dem Boden in einer Ecke schlafen, und in einer an-
dern Ecke hatten drei Schiffsleute ihr Bett. Ich habe mehr als vierzig
Personen in demselben Zimmer schlafen gefunden, verheirathete und ledige,
incl. natürlich Kinder und mehrere junge erwachsene Personen beiderlei
Geschlechts. In Manchester fand ich sehr häufig ein solches Zusammen-
schlafen. Ich will einen Fall erwähnen: ein Mann, seine Frau, sein Kind
schliefen in einem Bett, in einem andern zwei erwachsene Frauenzimmer
und in demselben Zimmer zwei junge unverheirathete Leute, Ich habe
sogar einen Mann mit seiner Frau und der Schwester seiner Frau in dem-
selben Bett schlafen gefunden. Ich habe mindestens sechs solcher Fälle
in Manchester kennen gelernt, in welchen immer die unverheirathete
Schwester erwachsen war.
Wie viele Fälle haben Sie im Ganzen vorgefunden, in welchen Per-
3onen verschiedenen Geschlechts zusammen. schliefen ?
Ueber hundert, incl. natürlich die Fälle, in denen Personen ver-
schiedenen Geschlechts in demselben Zimmer schliefen. —
War €s so allgemein, dass es nicht als etwas Aussergewöhnliches
oder Unrechtes erschien ?
Man schien nichts Besonderes dabei zu finden. Als Beweis will ich
folgenden Fall erzählen: In Pendleton besuchte ich die Wohnung einer
Frau, deren Söhne mit ihr in einer Kohlengrube arbeiteten. Es war
Nachmittag, als ein junger Mann, einer der Söhne, in seinem Hemd her-
unterkam und sich vor das Feuer stellte, wo ein sehr anständig gekleidetes
Frauenzimmer sass. Der Sohn bat seine Mutter um ein reines Hemd und
nachdem er es erhalten, zog er ruhig sein schmutziges Hemd aus, wärmte
das frische und zog es an. In einer anderen Wohnung in Pendleton sass
ein junges Mädchen von achtzehn Jahren in ihrem Hemd am Feuer wäh-
rend der ganzen Zeit meines Besuches. Beide Häuser gehörten Häuern
‘colliers) von durchaus keinem schlechten Rufe.
Waren Sie in der Lage, Demoralisation in Folge dieser Umstände
zu bemerken ?
Ich habe Beispiele kennen gelernt, in welchen Personen ihre Ver-
dorbenheit diesen Zuständen selbst zuschrieben. So z. B. fand ich in
Hull eine Hure in einem Zimmer, mit der ich mich über ihr Leben unter-
hielt. Ich frug sie, ob sie nicht als ehrliches Dienstmädchen in einer
besseren Lage sein würde, anstatt in Laster und Elend zu leben. Sie
stimmte mir bei und als ich nach dem Grunde frug, der sie in ihre gegen-
wärtige Lage gebracht, erwiederte sie, sie habe mit einer verheiratheten
Schwester gewohnt und in demselben Bett mit ihrer Schwester und deren