Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 1. 
Schrift „A Review of the principal Questions and Difficulties in 
Morals“ (2. Aufl. 1769) hervor. Der philosophische Verfechter 
“der Selbständigkeit der Begriffe von Recht und Unrecht ver- 
wandelt sich hier am Schlusse der Schrift in den nüchternen 
politischen‘ Arithmetiker und Wahrscheinlichkeitsrechner und 
beweist, dass, wenn wir auch an das ewige Leben mit Lohn 
und Strafe, welches die Religion lehrt, nicht fest glauben, 
schon die Möglichkeit seiner Existenz nach der richtigen Be- 
rechnung der Chancen es als klug und vortheilhaft erscheinen 
lässt, tugendhaft zu leben. „Es besteht nicht nur eine gleiche 
Chance, sondern eine grosse Wahrscheinlichkeit für die Wahr- 
heit der Religion. Durch Laster kann man Nichts gewinnen, 
sondern man verliert dadurch gewöhnlich den besten Theil 
gegenwärtiger Vortheile. Die Tugend verlangt von uns nicht, 
das Glück des Lebens aufzugeben, sondern. nur unsere Thor- 
heiten, Krankheiten und unser Elend. Was müssen wir bei 
solchem Stand der Frage von der Narrheit einer sündigen 
Wahl denken!“ — — Solche Motivirung ethischer Postulate 
erscheint uns als abstossend und unbegreiflich, wenn nicht als 
geradezu kindisch naiv — und doch war sie echt‘ englisch; 
der ähnliche utilitarische Gedankengang kehrt auch bei Paley, 
dem eifrigen Anhänger der Staatskirche, wieder. 
82. William Paley. 
Dies führt uns zur Betrachtung eines ausserordentlich 
beliebten und wirksamen Schriftstellers, der ein strammes 
kirchliches Christenthum mit der grössten Energie vertrat, 
der, obwohl kein politischer Parteimann, doch principiell Zu- 
friedenheit mit dem Bestehenden predigte, der also in kirch- 
licher und politischer Hinsicht von Natur ein Conservativer — 
und doch zugleich der unbedingteste Anhänger und vielleicht 
der eıfolgreichste Vertreter des Utilitarianismus war, 
William Paley war 1743 geboren, begann seine literarische 
Thätigkeit 1774 und starb 1805, Ein Zeitgenosse des Dissen- 
ters Priestley, des Freigeists Bentham und des alten Whig’s 
Burke hat er den ethischen Materialismus der Utilitätslehre
	        
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