Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

l62 Sechstes Buch. Erstes Kapitel. 
Umschwung zu Gunsten des Königtums mitgewirkt. Anders 
Lothringen und Baiern; das eine konnte als besonders unzu— 
verlässig, das andere als zu selbständig gelten. 
Baiern umfaßte damals neben dem eigentlichen Herzogtum 
den sogenannten Nordgau, etwa das heutige Oberfranken, ferner 
die Ostmark, das spätere sterreich, endlich im Südosten das 
ganze Kärntnergebiet und das gewaltige, bis Istrien reichende 
Herzogtum Friaul. Es war fast doppelt so groß als Schwaben, 
etwa doppelt so groß als das heutige Böhmen und Mähren 
zusammen. Über diesem Reiche herrschte zur Zeit der Thron⸗ 
besteigung Ottos II. Judith, die Witwe Heinrichs von Baiern, 
der ein Bruder war Ottos des Großen; sie regierte als Vor— 
münderin ihres jungen Sohnes Heinrich, des späteren „Zänkers“. 
Eine Tochter Judiths, Hadwig, war mit dem altersmüden Her— 
zog Burchard von Schwaben vermählt; schön, entschlossen, ein 
Mannweib, beherrschte sie ihn ganz; sie erhoffte mit ihrer 
Mutter zusammen die Nachfolge in Schwaben nach dem Tode 
Burchards: eine einzige große süddeutsche Herrschaft war der 
Traum der Frauen. 
Als Burchard im Jahre 978 starb, gab Otto das Herzog⸗ 
tum an seinen Vetter und Busenfreund Otto, den Sohn des 
unglücklichen Schwabenherzogs Liudolf. Später verlieh er 
die bairische Ostmark an Liutpold von Babenberg, den größten, 
oft unbotmäßigen bairischen Vasallen des Nordgaus. 
Es waren für die Frauen unerträgliche Schläge; zusammen 
mit Heinrich plante Judith einen Aufstand. Aber Kaiser Otto 
verfolgte die Empörung schon im Keime, und als sie gleich⸗ 
wohl ausbrach, zog er zu Felde, bezwang die Aufrührerischen 
und benutzte seinen Sieg zu einer gründlichen Auflösung der 
bairischen Ubermacht. Der Nordgau kam als besondere, von 
Baiern unabhängige Markgrafschaft nun endgiltig an Berhtold 
von Babenberg; Kärnten und Friaul wurden ebenfalls völlig von 
Baiern getrennt und als neues, sechstes Herzogtum ausgethan; 
die Beziehungen der Markgrafschaft in der Ostmark (dem spä⸗ 
teren Osterreich), der bairischen Pfalzgrafschaft und der Regens⸗ 
burger Burggrafschaft zum bairischen Herzogtum wurden stark
	        
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