Deutsche Erfolge i. äußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1500. 387
Bürger und zog die wirtschaftsstarken Orden der Cisterzienser
und Prämonstratenser ins Land. Um das Jahr 1170 traten
die Mönche von Leubus in die deutsche Kolonisationsarbeit ein:
wahrten sie ihrem Kloster durch Schonung eines nahen urwaldartigen
Forstes die Wohlthat beschaulicher Einsamkeit, so schufen sie
im weiteren Umkreis um so mehr neue Dörfer deutschen Lebens.
So kam es, daß im Liegnitzer Lande, westlich Leubus, das
Deutschtum im 12. Jahrhundert am weitesten fortgeschritten
war!. Doch auch um Krossen, Jauer und Trebnitz, um Bres⸗
lau und am Zobten reicht die deutsche Besiedelung in ihren
Anfängen wohl durchweg bis ins 12. Jahrhundert zurück.
Ihren größten Aufschwung aber nimmt sie erst im 13. Jahr—
hundert.
Im Jahre 1201 starb Boleslaw der Lange, und nun folgte
ihm nach blutigem Zwist mit der oberschlesischen Herzogsfamilie
Heinrich J., der Bärtige (1202 - 1238), der eigentliche Be—
gründer eines mächtigen Herzogtums Schlesien, ein ganz von
germanischen Bestrebungen durchglühter Fürst, der zugleich das
Reich weit ausdehnte, die Oder hinab bis Lebus oberhalb
üstrins und bis zu den Marken Pommerns, nach Nordosten
zu über den Umfang der heutigen Provinz Posen hinaus
mindestens bis Kalisch, nach Südosten bis zur Herrschaft über
Krakau und das polnische Oberschlesien: in Übereinstimmung
mit den Thatsachen führte er schließlich den Titel eines Her⸗
zogs von Schlesien, Polen und Krakau: ziemlich drei Viertel des
alten polnischen Reiches vereinigte er in seiner Hand. Heinrich,
von deutscher Mutter geboren, in Deutschland erzogen, mit der
heiligen Hedwig, Tochter eines fränkischen Grafen Bertold,
Herzogs von Meran, vermählt, von deutschen Beamten um—
geben, war ein Deutscher; deutsche Sprache, deutsche Sitte und
Geselligkeit herrschten an seinem Hofe. Nicht bloß Schlesien
germanisierte er, auch nach Polen hin hat er deutsche Kultur ver—
Astelt. Die Cisterzienser begründeten unter ihm die polnischen
1 S. oben S. 371.