Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Achtes Buch. Zweites Kapitel. 
letzte große Maßregel, die unser Volk haushäbig machte im 
Vaterlande. Und schon ging man am Schluß der Periode, 
unter den späteren Staufern, über das Maß des natürlich 
Zulässigen hinaus. Eine Menge der damals begründeten Ort— 
schaften sind, weil auf unfruchtbarem Boden unwirtschaftlich 
angelegt, wieder zu Grunde gegangen; manch abgewirtschaftetes 
Odland unserer Hochmoore und Heiden führt seinen Ursprung 
auf eine verfehlte Anlage dieser Zeit zurück. 
Indes erschöpften sich die Fortschritte der landwirtschaft⸗ 
lichen Thätigkeit im 10. bis 18. Jahrhundert keineswegs in der 
Besiedelung von Urwaldstrecken. Der Kolonisation jungfräu⸗ 
licher Gegenden ging der nicht minder eifrig betriebene, wenn 
auch minder auffällige Ausbau der alten Dorfmarken zur Seite. 
Schon längst war in den alten Fluren die strenge Regelung des 
genossenschaftlichen Ausbaues aller Hüfner dahin. Zwar herrschte 
immer noch der Flurzwang; alle Hofbesitzer waren genötigt, in dem⸗ 
selben Teile der Flur die gleiche Frucht zu bauen: es war eine 
Konsequenz der ursprünglichen Fluranlage, die bis in unser Jahr⸗ 
hundert hinein vielfach nicht hat beseitigt werden können. 
Allein diese feste wirtschaftliche Bindung an eine genossen⸗ 
schaftlich geregelte, allen gemeinsame Thätigkeit war doch nicht 
mehr so stark und allseitig, daß sie nicht besonders tüchtigen 
Wirten eine persönlich weiter gehende Förderung ihres Anbaues 
gestattet hätte. Wer wollte einem solchen Wirt verwehren, sich 
in den verhältnismäßig friedlichen Zeiten des 10. bis 12. Jahr— 
hunderts aus dem Dorfe auszubauen auf die gemeinen Teile 
der Dorfmark, die noch immer zur Verfügung jedes Genossen 
im Dorfe standen? Errichtete er aber hier seinen Hof, schuf 
er sich wenigstens hier ein gesondertes Feld des Anbaus, so 
vermochte er weit freier und weit kräftiger zu vroduzieren, als 
die gemeinen Genossen des Dorfes. 
Solche Erwägungen wurden von kräftigen Wirten der 
Kaiserzeit, vornehmlich in den fortgeschritteneren Gegenden der 
großen Flußthäler und der reichen Fruchtebenen, häufig genug 
angestellt. So entstanden größere Bauerngüter auf freier Mark, 
so begannen sich Spezialkulturen in Hanf und Waid, so Vieh⸗
	        
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