Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Aämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 91 
bacher zu nehmen. Am 27. Juli 1824 schloß er ein Bündnis mit 
Karl IV., wonach er dessen Wahl bei den Kurfürsten betreiben 
wolle; und sollten die Kurfürsten widerstreben, so werde er einver⸗ 
standen sein, daß der Papst Karl von sich aus, durch päpstliche 
Provision, zum deutschen König ernenne, und ihn als solchen zu 
fördern suchen! Eine fast wahnwitzige Wendung, bei der nur der 
Vorteil des Papstes und Frankreichs klar war; in Deutschland rief 
fie, soweit man sie ahnte oder kennen lernte, Entrüstung und Miß⸗ 
trauen hervor: nichts konnte günstiger sein für die Sache Ludwigs. 
Hätte nur Ludwig gleichzeitig in den immer noch fort⸗ 
dauernden kriegerischen Unternehmungen gegenüber österreich 
Glück gehabt! Aber hier wurde er gelegentlich einer längeren 
Belagerung Burgaus (zwischen Ulm und Augsburg) im Dezember 
1324 geschlagen. So war es für ihn notwendig, sich mit dem 
Hause Habsburg auseinander zu setzen. Es geschah in den Ver⸗ 
trägen von Trausnitz, München und Ulm vom 183. März und 
3. September 1825 sowie vom 7. Januar 1326. In ihnen ward 
erreicht, daß König Friedrich, bisher der Gefangene Ludwigs, 
zunächst als Freund, dann als vollberechtigter Mitkönig neben 
Ludwig lebte und herrschte: ein höchst eigenartiges Verhältnis, 
das im Reiche mit unverhohlenem Staunen aufgenommen ward 
und in sich schwerlich die Gewähr längerer Dauer trug. Glück— 
lich jedenfalls, daß es einer Prüfung in dieser Richtung nicht 
unterworfen ward. Am 28. Februar starb Herzog Leopold, noch 
jugendlich, von Schmerz verzehrt über die Mißerfolge seiner 
Politik. Damit war die Seele des habsburgischen Widerstandes 
dahin; vergebens machte der unbedeutende Friedrich, jetzt auf 
sich gestellt, seinem Mitkönige Ludwig zu Innsbruck noch ein— 
mal Vorschläge über eine rationelle Teilung der Reichsgewalt 
etwa auf dem Boden des Vertrages von München. Ludwig 
ging nicht auf sie ein; er sah wohl, daß Friedrich in Wahr⸗ 
heit jetzt nur noch Herzog von Osterreich mit königlichem Titel 
war; er allein fühlte sich als königlicher Herrscher. Und da— 
mit schien die Zeit gekommen, dem Papste zu antworten. 
Und schon erwuchsen dem Könige zu dem großen Kampfe 
auch reichere geistige Mittel. Neben den Spiritualen traten
	        
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