Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Elftes Buch. Zweites Kapitel. 
Auf Johann XXII. folgte Benedict XII., ein französischer 
Handwerkerssohn; er hat bis ins Jahr 1342 auf dem päpstlichen 
Stuhle gesessen. Fromm und ehrlich, aber auch plump und un— 
bequem, hatte er anfangs die besten Absichten: er wollte nach Rom 
zurückkehren, er wünschte mit Ludwig zu paktieren. Allein bald 
geriet auch er in den Bann der überlegenen französischen Politik; 
und im französischen Interesse war es, das deutsche Königtum 
zu schwächen und Ludwig nicht vom Banne gelöst zu sehn. 
Ludwig durchschaute diese Zusammenhänge erst nach den 
traurigsten Erfahrungen. Gesandtschaft auf Gesandtschaft mit 
immer demütigeren Anerbietungen sandte er zur Kurie; erfolg⸗ 
los; das letzte Mal — im Jahre 1836 — verzögerte die An— 
wesenheit König Philipps, der des Papstes Ohr ganz in Be— 
schlag nahm, die Eröffnung der Verhandlungen. Dann machte 
ein plötzlich auftauchendes Gerücht, Ludwig habe sich mit 
mächtigen Feinden Philipps in Bündnisse eingelassen, den 
Papst stutzig, und die Gesandten zogen es vor, zurückzukehren. 
Mit jenem Feinde Frankreichs, mit dem Ludwig sich verbündet 
haben sollte, konnte nur Edward III. von England gemeint sein. 
Diesen Argwohn zu zerstören, schickte Ludwig eine neue Ge— 
sandtschaft, die erst nach Paris und dann nach Avignon ging 
und dem Papste wieder Entschuldigungen seitens Ludwigs 
überbrachte: er habe sich Johann XXII. gegenüber in einer 
Zwangslage und im Zustand der Notwehr befunden, er habe 
nicht gewußt, daß es Ketzerei sei, zu glauben, daß der Kaiser 
einen Papft absetzen und einen anderen einsetzen könne. Ferner 
beteuerte er: er sei zu dem Kampfe gegen die Kurie gekommen 
als ein ritter, dor unwiegent ist der buchsstaben und der 
geschrift subtilitet; er habe keinen Anteil an dem Defensor 
pacis; er werde Marsilius und die Minoriten ausrotten, wenn 
sie sich nicht zu des römischen Stuhles Gnade kehren wollten; 
es thue ihm leid, mit ihnen verkehrt zu haben, und er werde 
alle Pönitenz und Buße annehmen, die der Papst ihm auf— 
erlege. Auch sei er bereit, sich noch einmal zum Kaiser krönen 
zu lassen, verbürge dem Papste alle seine italienischen Terri— 
torien und kassiere hiermit die Urteile Kaiser Heinrichs VII. 
über König Robert von Neapel. 
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