Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 101 
Was alles mochte Ludwig von diesem Schritte erwartet 
haben! Der Papst empfing Ludwigs Gesandte gleich am Tage 
ihrer Ankunft, am 81. Januar 1337, ganz freundlich; dann 
aber ließ er sich mehr und mehr von Philipp beeinflussen, und 
im feierlichen Konsistorium des 11. Aprils 1337 beschuldigte 
er Ludwig statt alles Entgegenkommens mit den stärksten Aus— 
drücken der Heuchelei: stracks solle er kaiserlicher und könig— 
licher Würde entsagen; er sei der große Drache der Apokalypse. 
Nun erst fand Ludwig die rechte Haltung. Er schlug jetzt 
gegen die Kurie kräftige Töne an: er brach mit Frankreich, ja, er 
trat auf die Seite des Frankreich feindlichen Englands: am 28. Juli 
1337 ward von ihm ein Kriegsbund mit Edward III. geschlossen. 
Vor allem aber regte sich jetzt in Deutschland das längst 
gereizte nationale Gewissen. 
Von weitverbreiteten monarchischen Interressen innerhalb 
der Nation konnte seit dem Interregnum nicht mehr gut die 
Rede sein. Das Königtum war zwar noch ein Prinzip, dessen 
Wegfall im Reiche fühlbar gewesen sein würde, gleichsam ein 
oberstes Element, das unsichtbar alles nationale Leben durch— 
drang und zu dessen Dasein gehörte, nicht mehr aber eine vor— 
nehmlich wirkungsvolle Macht. Mächte in diesem Sinne waren 
vielmehr nur noch die höchsten sozialen Interessen, die vornehmlich 
dynastischen der Fürsten und Herren, die vornehmlich merkantilen 
der Städte. Sie aber trafen sich seit dem Emporkommen der 
Geldwirtschaft immer mehr in dem Anerkenntnis der Notwendigkeit 
nationalen Zusammenhalts!. So waren es Fürsten, Adel und 
Städte, die in höchster Not, da, wo das Königtum versagte, die 
großen Anliegenheiten der Nation zu führen berufen schienen. 
Die Kurfürsten waren über die fortwährende Anzweiflung 
des deutschen Kurrechts und seiner Verbindung mit dem Kaiser⸗ 
tum seitens der Päpste erregt und fanden sich dadurch nicht 
minder gedemütigt als der König. Die Fürsten sahen die Nation 
wegen der geistlichen Censuren empört, sich selbst dem Banne, 
ihr Land dem Interdikt ausgesetzt: längst waren sie antipäpstlich. 
Wie aber herrschte die gleiche Stimmung erst in den Städten! 
1 S. Band III S. l0o f.
	        
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