Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 103
der von den Kurfürsten gewählte König damit zugleich Kaiser
sei und das Recht habe zur Führung auch des kaiserlichen Titels.
Den verfassungsmäßigen Festsetzungen aber folgte eine lange
Reihe kräftiger Außerungen der königlichen Vollstreckungsgewalt.
Es wurde verboten, den über Ludwig ergangenen Bann zu beachten.
Es wurde bei Strafe der Friedlosigkeit befohlen, den Gottesdienst
überall wieder aufzunehmen. Es wurden auf einem folgenden,
besonders glanzvollen und durch die Gegenwart König Edwarts III.
von England verherrlichten Reichstage zu Koblenz neue Sprüche
erlassen über die Wahrung des inneren Friedens und über die
Heerfolge des Reichs zum Krieg gegen Frankreich.
Und schon war man daran, das neue, nun endlich gefestigte
Reichsrecht systematisch zu durchdenken. Von den Minoriten
Occam und Bonagratia erschienen Schriften in dieser Richtung.
Vor allem aber war es ein Deutscher, der jetzt als Interpret der
nationalen Verfassung in den Vordergrund trat, Leypold von Beben—
burg, Domherr zu Würzburg. Ein vaterländischer Eiferer ohne
den radikalen Zug der Minoriten, ein bedeutender Rechtsgelehrter
und angesehenes Mitglied des Adels, hat er in seinem Buche De
luribus regni et imperii das erste deutsche Staatsrecht geschaffen.
vV
Im Reiche hatte man ein Recht, von Ludwig große Dinge zu
erwarten. Er wird, von den Engländern unterstützt, die Franzosen
schlagen und die alten Grenzen des Westens wiederherstellen.
Er wird mit den Franzosen zugleich auch den Papst demütigen.
Man täuschte sich. Ludwig begann den Krieg kaum, wäh—
rend König Edward am 24. Juni 1340 die französische Flotte
in der glänzenden Schlacht von Sluys vernichtete. Ludwig lag
nichts am Kampfe. Wieder wollte er nur Frieden mit der Kurie.
So schloß er ein schmähliches Sonderabkommen mit Frank⸗
reich unter der Bedingung, daß König Philipp ihm Erleichterung
beim Papste verschaffe. Natürlich ging Philipp auf den Plan
ein. Er erhielt Frieden von Deutschland, aber Benedict XII.
machte dem Wetterwendischen heftige Vorwürfe und erklärte,
Ludwig nur zu begnadigen, wenn er sich in aller Form unterwerfe.