Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

104 Elftes Buch. Zweites Kapitel. 
Nach dem Tode Benedicts am 25. April 1342 folgte in 
Clemens VI. ein Südfranzose, ein prachtliebender, heiter ge— 
launter Edelmann und vielbewunderter Theologe und Kanzel—⸗ 
redner, den Luxemburgern eng befreundet und ganz in den 
Händen Frankreichs. Trotzdem nahte sich auch ihm Ludwig 
mit neuen Gesuchen um Frieden. Und mochte der Papst die 
Prozesse Johanns XXII. in den meisten Punkten wieder er—⸗ 
neuern, Ludwig ließ ihm dennoch schreiben, seine Seele lechze 
nach der Gnade des Papstes und der Kirche; ja, er unter— 
breitete ihm Anerbietungen der Unterwerfung schmählicher noch 
als die des Jahres 1336. So kam der Papst wirklich in Ver— 
legenheit: er wollte den Kaiser in keinem Falle begnadigen, — 
und doch, wie schwer ward es ihm, Bedingungen zu stellen, die 
noch schwieriger lauteten als die von Ludwig selbst formulierten! 
Es blieb nichts übrig, als Ludwig geradezu aufzufordern, er 
solle sich seiner Königswürde entäußern u. a. m. 
Erst nach diesen Demütigungen begriff Ludwig wieder 
einmal das Unwürdige seiner Lage. Er berief jetzt zum 9. Sep⸗ 
tember 1344 einen Reichstag nach Frankfurt ein und legte den 
Ständen die neuen Artikel des Papstes vor. Natürlich fanden 
sie diese gegen die königliche Wurde. Allein ihre Stimmung be— 
gann sich nicht so sehr gegen den Papst als gegen Ludwig zu 
kehren: er hatte zuviel der Selbstentäußerung gezeigt für einen ehr⸗ 
liebenden Herrscher. Und andere, materieller gerichtete Erwägungen 
und Empfindlichkeiten nahmen sie noch mehr gegen Ludwig ein. 
Von jeher hatte Ludwig unersättliche Begierde gezeigt, seine 
Hausmacht zu erweitern. In den letzten Jahren aber hatte diese 
Neigung alle bisher noch innegehaltenen Grenzen überschritten. 
Wir wissen, daß König Johann von Böhmen durch Heirat 
seines Sohnes Johann Heinrich mit Margaretha Maultasch, 
der Erbin des Herzogs Heinrich von Kärnten, Ansprüche auf 
Kärnten, Krain, die Windische Mark und Tirol erworben hatte!. 
Nun war der alte Herzog am 2. April 1835 gestorben, und 
die Stände waren bereit, den Luxemburgern zu huldigen. 
Da zeigte sich, daß ein geheimer Vertrag zwischen den Habs— 
S. oben S. 98.
	        
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