l3 16 — Elftes Buch. Zweites Kapitel.
überkommene Summe nicht mehr völlig zu verwirklichender An—⸗
sprüche. Die universale Färbung der deutschen Herrschergewalt
verblaßte, die nationale trat hervor. Indem das Papsttum
gegen das Kaisertum vorging, stieß es auf die Nation.
Auf nationale Regungen im Volke, auf antipäpstliche
Strömungen in der Kirche gestützt hätte ein kraftvolles deutsches
Königtum die Ansprüche der Kurie in der ersten Hälfte des
14. Jahrhunderts wohl noch würdig und raschen Erfolges
zurückweisen können. Geschah das unter König Ludwig nicht,
so wird man hierfür nicht seine Person allein verantwortlich
machen wollen. Es zeigte sich, daß das Königtum auch als
Institution dem letzten, ihm unter so vorteilhaften Bedingungen
aufgedrängten Streite mit der Kurie nicht gewachsen war. Erst
als die Kurfürsten und der Reichstag sich des Kampfes an—
nahmen, wurden sichere Ergebnisse gewonnen, die dann die goldene
Bulle nochmals gesetzlich festlegte: nicht mehr hinter dem Könige,
hinter den Ständen des Reiches vielmehr lebte die Nation.
So ist eins der symptomatischen Ergebnisse der äußeren
Geschichte unseres Volkes von Rudolf J. bis auf Karl IV.
vor allem der Verfall des Königtums trotz teilweis trefflicher
Herrscher. In der That: wie hätte sich ein Königtum heben
sollen, dem fast jede regelmäßige Vollstreckungsgewalt fehlte,
dessen finanzielle Grundlagen trostlos waren? Alle Könige
hatten in der Begründung von Hausmachten ein Gegenmittel
gesucht. Es lag hierin auch thatsächlich ein Heilmittel vor,
sobald es einem Könige gelang, aus der Anfangsperiode einer
Hausmachtsgründung, die noch notwendig eine Gleichsetzung der
königlichen mit allen verwandten und so zahlreich vorhandenen
fürstlichen Bestrebungen zur Folge haben mußte, hinauszu—
gelangen zur festen Beherrschung eines mehr als fürstlichen
Länderkomplexes. Allein gerade dieser Fall trat zunächst nicht
ein; er wurde dadurch verhindert, daß stets nacheinander Könige
aus verschiedenen Häusern gewählt wurden, deren fast jeder
dann mit der mühsamen Grundlegung einer neuen Hausmacht
zu beginnen hatte. Erst mit Karl IV. und seinen Nachfolgern
zgelangte das Königtum aus dieser verhängnisvollen Lage her—