Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Rämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 119 
12. und 13. Jahrhunderts erlitten hatte?“ Die wirtschaft— 
lichen Grundlagen aristokratischen Daseins waren ihm zum 
großen Teile entzogen. Nun hatte er allerdings nicht selten 
Verbindung mit den edlen Geschlechtern der Städte gesucht, 
und anscheinend hat eine Anzahl ländlicher Geschlechter nament⸗ 
lich Süddeutschlands durch städtische Heiraten seine Lage 
nochmals gebessert?. Allein auch die Patrizier der Städte 
gingen zu Grunde. Wir werden bald erfahren, wie eine 
politische Bewegung der Handwerker gegen sie losbrach, wie 
namentlich seit dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts über— 
all industriell-demokratische Aufstände, und namentlich in Süd— 
deutschland, das patrizische Regiment beseitigtens. 
In dieser Lage konnte der Adel Rettung nur noch in 
außerordentlicher kriegerischer Bethätigung finden. Und hierzu 
bot sich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts noch viel— 
fach reiche Gelegenheit. Allenthalben brauchte man Krieger. 
Im Innern Deutschlands warben die Städte manchen Edel⸗ 
mann als Reisigen für die Zeit des Kampfes. Im Westen 
tobte der Krieg zwischen England und Frankreich, im Norden 
und Nordosten waren Dänemark und der Deutschordensstaat 
fast ununterbrochen Tummelplätze adliger Kriegsreisen, im 
Süden endlich öffnete König Heinrich VII. durch seine Rom— 
fahrt Oberitalien mit seinem Condottierewesen dem deutschen 
Adel. So kam es noch zu einer Nachblüte des Rittertums. 
Luxus herrschte hier und da wieder auf den Burgen, neue 
Ritterromane wurden gedichtet, und Turniere wurden gefeiert 
so herrlich wie nur je in staufischen Zeiten. 
Aber es war ein trügerischer Glanz. Nach der Mitte 
des 14. Jahrhunderts schlossen sich die besonderen Quellen 
adligen Kriegserwerbs. Die Kämpfe hörten teilweis auf. Vor 
allem begann sich die Kampfweise zu ändern. Die Kriege 
waren bald nicht mehr adlige Unternehmungen, sondern, seit 
Vgl. oben S. 118 Anm. 2. 
3 Vgl. unten S. 208. 
3VBgl. unten S. 197 ff.
	        
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