Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

las 
Elftes Buch. Drittes Kapitel. 
landschaften gegenüber lagen, glichen schon einem wüsten 
Trümmerfelde bald noch überwiegenden deutschen, bald schon 
mächtig vordringenden französischen Einflusses; und bereits 
waren sie von staatlichen Zwischengebilden angefüllt, deren 
Herrscher, ursprünglich dem Reiche eingeschworen, vielfach 
dem Einflusse der französischen Politik und der Einwirkung 
französischen Geldes unterlagen. 
Schwer gefährdet auch dann, wenn die politische Macht 
des Reiches sich einmal wieder erheben sollte, erschien indes die 
Westgrenze doch nur an zwei Punkten, im äußersten deutschen 
Süden und im Norden, in der Schweiz und in Flandern. Hier 
kam zu der wachsenden politischen Entfremdung zugleich eine 
abweichende wirtschaftliche und soziale Entwicklung: es ist kein 
Zufall, wenn diese Gegenden nebst ihren Nachbargebieten seit 
Ende des 18. Jahrhunderts Herde besonders reger Rechtsbildung 
gewesen sind. In der Schweiz blieb die Entwicklung gegenüber 
der gemeindeutschen zurück; hier saß in den Thälern des cen— 
tralen Alpengebietes ein kräftiger Bauernstand, der das Empor— 
kommen fürstlicher Gewalten verhindert hat. In Flandern da— 
gegen, dem westlichsten Kernlande des norwestdeutschen Gebietes, 
ging die Entwicklung den gemeindeutschen Schicksalen voraus; 
hier kam es zu einer besonders frühen und besonders selb— 
ständig verlaufenden Entfaltung des Städtewesens und darum 
zu einer eigenartigen Schwächung der fürstlichen Gewalt und 
einer Zurückdrängung des Bauernstandes, welche der vlamischen 
Gesamtkultur Ähnlichkeit mit den Zuständen etwa der lom— 
bardischen Ebene gaben. In beiden Fällen war der feste Zu— 
sammenhang mit dem Gange der vaterländischen Geschichte 
derloren, und schon im Laufe des 14. Jahrhunderts mußte es 
darum zum Beginn einer dauernden Loslösung dieser Gebiete 
vom Reiche als dem politischen Körper der nationalen Ent— 
wicklung kommen. 
L. 
In der schweizerischen Hochebene waren zur Stauferzeit 
die Zähringer und nach ihrem Aussterben im Jahre 1218 die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.