136 Elftes Buch. Drittes Kapitel.
Handels- und Industriestaat zwischen große verhältnismäßig noch
naturalwirtschaftliche Reiche gestellt, wußte es sich nach allen
Seiten bis zu einem gewissen Grade selbständig zu erhalten.
Diese autonome Entwicklung aber, die zum großen Teile der
industriellen Thätigkeit verdankt ward, führte zu stärkster Be⸗
tonung der Bedeutung der Städte; nur in der Sorge für
sie hielt sich die alte gräfliche Herrschaft über dem Lande.
Nach Nordost und Osten hin aber, gegenüber den deutschen
Nachbargebieten, nahm Flandern im Laufe des 14. Jahr—
hunderts vielfach eine mehr als ebenbürtige, zeitweis geradezu
eine beherrschende Stellung ein. Brabant war ihm in der
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ja im Jahre 1356 wurde es durch einen plötzlichen flandrischen
Einfall in dem Grade überrumpelt, daß es Mecheln und Ant—
werpen abtreten mußte. Und auch Holland fügte sich dem
flandrischen Einfluß. In dem viele Jahrhunderte dauernden
Kampfe, den Holland und Flandern um Seeland, dies wich—
tigste Gebiet des Rheindeltas, und um das Waasland, das
herrliche Gartenland zwischen Antwerpen und Gent, führten,
brachte es Flandern seit dem Jahre 18083 zu den wichtigsten
Vorteilen. Der flandrische Graf eroberte fast ganz Holland;
und wenn auch die Vlamen im Jahre 1804 auf der Gouwe
bei Zierikzee schwer geschlagen und mit den Überresten ihres
Heeres in die Dünen getrieben wurden, so erhielten sie doch
in dem Friedensschlusse des Jahres 1328 nicht unbedeutende
Vorteile, vor allem den unbestrittenen Besitz des Waaslands.
Die holländische Geschichte aber ward später, nach den glück—
lichen Zeiten Wilhelms III. und Wilhelms IV. (1804 -1345),
auf mehr als ein Jahrhundert durch den unseligen Gegen—
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zweier fast gleich mächtiger sozialer Parteien, in dem Grade
beherrscht, daß das Land beinahe hilflos der Einverleibung in
das burgundische Reich entgegentrieb.
Unter diesen Umständen war Flandern seiner politischen
Machtstellung nach auch im 14. Jahrhundert noch das stärkste
Bollwerk des Deutschtums im Westen. Aber freilich: schon