140 — Elftes Buch. Drittes Kapitel.
konnten. Aber hieran fehlte es. Vergebens suchte Jacob die
Städte bei der großen Auffassung der Dinge festzuhalten, die
ihm eigen war; selbst Städte wie Gent und Jeperen kamen
wegen kommerzieller und industrieller Ansprüche in Gegensatz.
So erlebte denn die flandrische Autonomie unter Jacob nur
wenige Jahre, so sehr sich im übrigen der Unterbau der Ver—
fassung der drei Glieder bewährte; bis zum Jahre 17983 ist
er, nur wenig verändert, bestehen geblieben. Jacob van Arte—
velde aber ward im Jahre 1345 ermordet.
Unter diesen Umständen ward Flandern, in sich zerrissen,
auch dem englischen Könige in seinen Kämpfen gegen Frank—
reich immer weniger von Wert. Edward begann darum das an⸗
fangs sehr innige Verhältnis zu den Städten zu lösen; und
den Frieden von Broͤtigny (1360) schloß er endlich ab, ohne
sich noch viel um ihr Schicksal zu kümmern. Ja, mehr noch:
er begann jetzt der flandrischen Industrie entgegenzutreten, in—
dem er verbannte flandrische Handwerker zur Begründung eigner
Betriebe in sein Land rief und Brügge den Stapel für die
englische Wolle entzog, den hauptsächlichsten Rohstoff der vla⸗
mischen Gewerbe.
Es waren Vorgänge, die Flandern mehr oder minder an
Frankreich ausliefern mußten. Und trefflich wußte König
Karl V. von Frankreich (1364 — 1380) sie zu nutzen. Er
vermählte die Erbtochter des letzten Flandergrafen Ludwig,
Margaretha, mit seinem Bruder Philipp dem Kühnen, dem
Begründer des neuburgundischen Reiches. Zugleich suchte er
die großen Stadtgemeinden Flanderns auf alle Weise in Güte
zu gewinnen, vereinigte auch mit Flandern wiederum die
Städte Lille und Douai. So schien die Einverleibung Flan—
derns in das soeben im Werden begriffene Reich Burgund nur
eine Frage der Zeit, als noch einmal durch einen Aufstand der
Städte gegen Graf Ludwig alles in Frage gestellt ward. Aus
Anlaß einer Geldforderung zu einem fröhlichen Pfingstturnier
ward Ludwig aus dem Lande vertrieben, und Philipp van Arte—
velde, der Sohn Jakobs, versuchte von Gent aus die Schöpfung
des Vaters zu erneuen. In der That gelang es ihm, den