Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 153 
So hatte er die Macht seiner Vasallen, der holstein-schauenburgischen 
Grafen vorbereitet, die nach dem Sturze Heinrichs die bisher von 
ihnen abhängig geführte Gewalt selbständig übernahmen. Graf 
Adolf III., ein hochgemuter Herr, verkehrte fürstengleich am Hofe 
Kaiser Heinrichs VI., gründete die Neustadt Hamburg als zu— 
kunftreiche Handelsstadt der Nordsee, hielt durch seine Verbin— 
dungen mit der bremischen Ritterschaft den bremischen Erz⸗ 
bischof in Schach, bereicherte seinen Hof durch das glänzende 
Gefolge einer neuen Ministerialität: wenn irgend jemand, so 
konnte er als Nachfolger Heinrichs des Löwen im äußersten 
deutschen Norden bezeichnet werden. Und nachdem die plötzliche 
Machterweiterung Dänemarks unter Waldemar dem Großen 
in der Schlacht bei Bornhövede (1227) ihr Ende gefunden 
hatte, wußte Adolf IV. die errungene Stellung zu wahren und 
westlich des heutigen Nordostseekanals zwischen Brunsbüttel und 
Rendsburg zu unterjochen; doch das übrige Holstein gehorchte 
ihm, und die sichere Beherrschung des zwar noch rohen, doch 
kriegerisch tüchtigen Adels gestattete ihm, seine Blicke nach außen, 
der Ostsee zuzuwenden. Es war auf die Dauer nicht anders 
möglich, als im Gegensatz zu den Städten, namentlich zum 
benachbarten Lübeck. Als Lübeck sich der drohenden Gefahr 
offensiv, durch Einverständnis mit aufsässigen Edlen Holsteins 
zu entledigen suchte, ging einer der Nachfolger Adolfs IV., der 
Graf Gerhard II. von Plön, aufs empfindlichste gegen Lübeck 
vor; er baute in Travemünde einen Turm zur Verhinderung 
der lübischen Ausfahrt in die See und ließ es zu, daß sich seine 
adligen und bäuerlichen Unterthanen im Jahre 1306 des Ge— 
bietes zwischen Hamburg und Lübeck und damit im wesent— 
lichen der Herrschaft über den lübischen Handel nach Westen 
bemächtigten. 
Indes, was bedeuteten diese kleinen Zwiste gegenüber dem 
größeren Gegensatz, der sich soeben zwischen Dänemark und 
Brandenburg über die Herrschaft des Westbeckens der Ostsee zu 
erheben begann. 
Während sich König Erich Menved Dänemark zum Eingreifen 
nach Süden stärkte, wurde von Brandenburg her von neuem
	        
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