Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 159
nach zweifelhaften Zusammenstoß mit der luxemburgischen Macht
oerwickeln werde.
So griff er lieber nach Norden hin aus. Hier war auf
der skandinavischen Halbinsel in den letzten Jahrzehnten eine
für Dänemark bedrohliche Macht entstanden. Im Jahre 1332
war Schonen, bisher dänisches Gebiet, an Schweden verloren
gegangen; im Jahre 1834 hatte König Magnus zum ersten⸗
mal wieder nach dem Tode Kanuts des Großen beide standi—
navischen Reiche, Schweden und Norwegen, miteinander vereint.
Es war eine für Dänemark vielleicht unerträgliche Konstellation.
Waldemar beseitigte sie teilweis, indem er, gestützt auf die Macht
des deutschen Adels in seinem Lande und die Beihilfe der
Herzöge Erich von Sachsen und Albrecht von Mecklenburg, in
den Jahren 1859 und 1360 klug in die Händel zwischen König
Magnus und seinen Söhnen eingriff und dann, getragen von
dem errungenen Einfluß, Schonen an sein Reich zurückbrachte.
Und er schwächte sie fast noch mehr, indem er, unerwartet für
jedermann, im Jahre 1361 die schwedischen Inseln Deland
und Gotland mit Wisby eroberte.
Aber war nun mit diesen Schritten nicht das Gefürchtete
geschehen? Hatte nicht Dänemark sich jetzt durch Ein⸗
nahme der wichtigsten skandinavischen Inseln und Küstenstriche
thatsächlich von neuem in den Besitz der Ostseeherrschaft gesetzt,
und war diese Herrschaft, die sich nun über Wisby hinaus auch
auf das Ostbecken des Meeres erstreckte, nicht ausgedehnter, als
e eine frühere?
Die deutschen Fürsten und noch mehr die Städte konnten
einer solchen Verschiebung der Machtverhältnisse im Ostseegebiet
unmöglich thatenlos zusehn.
VI.
Die skandinavische Halbinsel war um diese Zeit bis in ihre
nördlichen Teile hinein schon lange Schauplatz eines regen deut⸗
schen Verkehrs. Bergen war der große Stapelplatz vornehmlich
für den Stockfischhandel; sein Stadtteil Tydskebryggen, die alte
hansische Faktorei, ist mit seinen spitzgiebligen Kontoren noch
heute ein Denkmal einst allmächtigen deutschen Einflusses. Aus