Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 167
platten Lande eine deutsche Aristokratie ebenso herrschen solle,
vie in den Städten ein deutsches Bürgertum.
Indem nun so die deutsche Herrschaft in Schweden ins
Unsichere gestellt erschien, indem König Waldemar, nach dem
Frieden von Wordingborg vor hansischen Angriffen sicher, im
Verein mit König Hakon immer energischer gegen Schweden
vorging, mußten die Städte doch einsehen, daß sie einen solchen
Zustand der Dinge nimmermehr dulden konnten. War es
nicht klar, daß er zur vollen Hegemonie Dänemarks in der
Osisee, Norwegens in den wichtigsten Teilen der Nordsee
führen mußte?
Die Städte hatten sich inzwischen von ihrer Uneinigkeit
und den Folgen mannigfacher gegenseitiger Vorwürfe erholt;
auf der Lübecker Johanniversammlung des Jahres 1366 nahmen
wenigstens die wendischen, preußischen und sonstigen Ostsee⸗
städte wieder gemeinsame Fühlung. Bald darauf erneuerten
aber auch die Weststädte unter der Führung Kampens ihre
Verbindung mit den Ostseestädten, da sie sich durch die Partei—
nahme Norwegens in ihrem nordischen Handel bedroht sahen.
So war man einig, wie man erbittert war. Niemand, der
nicht begriffen hätte, daß allein eine große und entscheidende
Aklion gegen König Waldemar die Zukunft des nordischen
Handels in deutschen Händen sichern könne.
Am 19. November 1367 schlossen alle Städte des Ostens
wie Westens auf einem Saale des Kölner Rathauses, der heute
noch unter dem Namen des Hansesaales bekannt ist, einen festen
Bund zum Kampfe gegen die Könige von Norwegen und
Dänemark. Es ist das wichtigste diplomatische Ereignis der
—W Geschichte; siebenundfünfzig Städte haben schließlich
in dieser Einung teilgenommen; sie ist zur Grundlage aller
späteren hansischen Verbindungen geworden.
Und dem ftädtischen Bunde trat alsbald ein Fürstenbund
zur Seite; die Mecklenburger Schwedens und Deutschlands ver⸗
einten sich mit dem Grafen Heinrich von Holstein und dem
ütischen Adel, wohl auch Herzog Heinrich von Schleswig zum
Kampfe: die von Waldemar so oft für unmöglich gehaltene