Erstes Kapitel.
Wiederherstellung des
Röniglums.
nationalen
Das Wesen der weltgeschichtlichen Entwicklung beruht
großenteils darauf, daß die typischen Bestandteile der Kul—
tur hochentwickelter Völker auf jugendliche Völker übertragen
werden, in diesen fortleben und sich mit den neuen Errungen⸗
schaften des empfangenden Volkes zu schönerer, bessere Frucht
versprechender Blüte vereinen. In diesem Sinne bietet der
weltgeschichtliche Verlauf den Anblick eines Veredlungsprozesses,
wie diesen der Gärtner im Pfropfen und Okulieren durch Ein—
führung feinerer Keime in minder hoch entwickelte, aber beson⸗
ders kräftig geartete Gewächse vornimmt. So sind die Er—
rungenschaften der orientalisch-occidentalen Entwicklung von
den Ägyptern und den asiatischen Völkern auf die Griechen,
von den Griechen auf Rom, von Rom auf die Germanen über—
gegangen.
Für die Germanen aber erfolgte die Übertragung auf be—
sondere Art. Die wichtigsten hellenifchen Staaten wie Rom wur—⸗
den sehr früh Stadtstaaten, und waren darum fast von Anfang
an an den Ort ihrer Entstehung gebunden. So mußten die
fremden Errungenfchaften ihnen zugebracht werden; auf der un⸗
verrückbaren Grundlage ihres Staatsgebietes wurden sie von
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