Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

198 Zwolftes Buch. Erstes Rapitel. 
ihnen ist das bürgerliche Entsetzen über die Ermordung Albrechts, 
die Antipathie gegen den Pfaffenkönig Friedrich den Schönen, 
die treue Begeisterung für Kaiser Ludwig und der grimme 
Haß gegen die Päpste zuzuschreiben. Und sie gaben sich 
diesen Empfindungen mit ganzer Seele hin; noch lebten in 
ihren Herzen die elementaren Leidenschaften der Ahnen. 
Es war nicht anders: dieser Aufschwung und diese Energie 
mußten den Umsturz der Geschlechterherrschaft in den Städten 
bewirken, wo immer sie morschte. Und sie war bereits morsch 
fast im ganzen alten Deutschland mit Ausnahme weniger, erst 
spät gegründeter oder besonders langsam wachsender Städte. 
Der koloniale Boden der Hanse dagegen blieb vor diesen Er— 
schütterungen einstweilen noch bewahrt: hier ist, mit Ausnahme 
oielleicht allein der Salzstadt Lüneburg, nirgends früh ein fest 
abgeschlossenes Patriziat begründet worden; namentlich in Lübeck 
sind lange Zeit noch selbstgemachte Leute in die ratsfähigen 
Geschlechter gedrungen. Zudem hatte hier der Handwerker, 
wenigstens in den Seestädten, eine andere Stellung, als im 
Mutterland, das Meer lockte ihn und ward ihm freier Schau— 
platz des Erwerbs nicht minder, als dem Kaufmann; lübische 
Handwerker wie die Züunfte anderer hansischer Ostseestädte haben 
den ganzen Norden auf Jahrhunderte in die industriellen Fesseln 
Deutschlands geschlagen. So nahte sich diesen Gebieten die 
Zunftbewegung nur spät und fast nur an den Grenzen; eigent— 
lich nur die Ereignisse von Magdeburg und die große Schicht 
von Braunschweig sind hier zu nennen; die teilweis erfolgreichen 
Bewegungen zu Lübeck im Anfang des 15. Jahrhunderts hatten 
keinen grundsätzlich zünftlerischen Charakter. 
Beginn und erste Stufe der Zunftbewegungen führen viel— 
mehr fast ausschließlich an den Rhein und in den äußersten 
Westen. Hier regten sich die Handwerker zuerst in der fort— 
geschrittensten Stadt, in Köln, ums Jahr 1220, unter dem 
Erzbischof Engelbert dem Heiligen; einen kurzen Sieg errangen 
ie freilich erst später um 1260. Inzwischen aber hatten schon 
Unruhen am Oberrhein, namentlich in Worms, stattgefunden, 
die sich noch durch das ganze Jahrhundert, zuletzt vor allem
	        
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