Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Soziale und politische Entwicklung des Bürgertums. 199 
in Kolmar und ausgreifend bis Ulm hinzogen; und gleichzeitig, 
vornehmlich um 1280, hatten sich die Zünfte in Flandern er— 
hoben; hier kam es zu den Bewegungen der Moerlemaye in 
Brügge, der Cokerulle in Jeperen. 
Ein Ergebnis aber hatten diese Vorgänge in den meisten 
Fällen zunächst nicht. Die Handwerker wurden unterworfen, der 
Zunftzwang aufgehoben, die Zünfte genauer Aufsicht unterstellt, 
das Versammlungsrecht beschränkt oder vereitelt, die Waffen— 
fähigkeit und die militärische Organisation beseitigt. Aber die 
Geschlechter wußten diesen Erfolg doch meist nur mit Hilfe der 
noch bestehenden und in diesen Kämpfen zu neuer Bedeutung 
auflebenden fürstlichen Stadtherrschaft zu erringen. Und kaum 
hatten sie ihn erreicht, so drohte ihnen die Auseinandersetzung 
mit dem erstarkten Stadtherrn. In diesem neuen Kampfe 
siegten dann die Geschlechter nur seltener, z. B. in Köln; in 
den meisten Fällen wurden sie noch innerhalb desselben von den 
zünftlerischen Bestrebungen überholt, und die Zünfte trium— 
phierten nun über Geschlechter und Stadtherren zugleich. So 
oielfach in Flandern. 
Es sind Vorgänge, die schon zu jener späteren Stufe der Zunft— 
bewegungen hinüberführen, die im wesentlichen mit dem 14. Jahr— 
hundert zusammenfällt. Auf dieser Stufe sind die Zünfte ge— 
nügend erstarkt, um in den meisten Fällen, anfangs in rein 
städtischen Krisen, später, seit 1325 etwa, mehrfach in Ver— 
bindung mit Vorgängen der Reichs- und Territorialpolitik 
zum Siege zu gelangen. Dieser winkt ihnen früh, schon seit 
der Wende des 13. und 14. Jahrhunderts in Ulm, Speier, 
Worms und Lüttich, im Beginn der dreißiger Jahre des 
14. Jahrhunderts in Mainz und Straßburg, in der zweiten 
Hälfte dieses Jahrhunderts in Gent und Löwen, sowie vor— 
uͤbergehend in Brügge und Jeperen, ferner in Köln und Augs— 
hurg, anderer Städte nicht zu gedenken. 
Das Resultat, das in diesen und verwandten Fällen 
schließlich erreicht ward, war sehr verschieden, und das End— 
ergebnis wurde oft erst sehr spät, in Straßburg z. B. erst nach 
tast hundertjiährigem Ringen im Jahre 1419, ja wenn man
	        
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