Zweites Kapitel.
Sladtisches Dalein und bürgerliche
Gelellschaft.
Dem Wanderer, der sich in den schönen Tagen des mittel—
alterlichen Bürgertums, etwa in der zweiten Hälfte des 14. Jahr—
hunderts, dem Umkreis einer größeren Stadt näherte, bot sich
ein Anblick, der ihm ohne weiteres die Bedeutung seines Reise—
zieles vergegenwärtigte. Stolz und fast aufdringlich hob sich
vom Horizonte die Silhouette der Stadt ab mit ihren Türmen
und Türmchen, mit ihren Kapellen und Kirchen; schon damals
zeigten die Städte von außen her jenen Aufriß, den uns noch
heute die großen Holzschnittprospekte aus den ersten Jahrzehnten
des 16. Jahrhunderts, wenn auch in etwas idealer Perspektive,
vermittelna.
Vor allem fiel sofort die gewaltige Befestigung auf. Schon
das engere städtische Territorium, das regelmäßig die alte
Stadtmark, häufig aber einen um vieles größeren Bezirk um—
schloß, war in die Befestigung mit hineingezogen; seine Grenzen
wurden von der Landwehr umfaßt, einem Wall mit vorliegen—
dem Graben, der oft noch fortifikatorisch durch sogenannte
1 Zu diesem Kapitel vgl. den Vortrag des Verfassers über Deutsches
Städteleben am Schluß des Mittelalters in der Sammlung von Vorträgen
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