Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

214 Zwölftes Buch. Zweites Kapitel. 
so weit, daß man einen Postenpfad hinter den Zinnen, welche 
die Mauer krönten, erhielt, oder man führte einen hölzernen 
Laufpfad auf Trägern in der Höhe der Zinnen durch. 
Hatte auf diese Weise der Wachtdienst die wünschenswerte 
Sicherheit erreicht, so waren auch für das Gesamtaufgebot der 
Bürger umsichtige Maßregeln getroffen. Die meisten Städte 
waren zu militärischen Zwecken in Quartiere mit besonderen 
Alarmplätzen eingeteilt; hier sammelte man sich, von hier 
eilte man vereint zum Schutze der Mauer. Und an dieser 
selbst fand man Rüstzeug und Waffe. Von etwa 120 zu 120 
Schritt, gemäß dem alten Gebrauch des großen Hunderts, wurde 
die Stadtmauer von Halbtürmen, den Wighäusern, oder von 
Satteltürmen (so z. B. in Wisby) unterbrochen, die nach 
der Stadt zu offen, oft kaum mit einem Dach versehen, in 
der Höhe des Laufpfades der Posten eingewölbt waren und 
unter dieser Wölbung ein volles Arsenal von Wurfmaschinen, 
Bogen und Pfeilen, sowie zur Mauerhöhe führende Treppen 
bargen. Hier nahmen die auf die einzelnen Mauerabschnitte 
verteilten Mannschaften die Waffen, von hier aus erschienen 
sie überraschend für jeden Anareifer zwischen den Zinnen der 
Mauer. 
Wer indes in ruhigen Zeiten zwischen diesen Zinnen hin— 
durch sah ins Freie, dem bot sich ein recht friedlicher Anblick. Hier 
vor den Stadtmauern, die gelegentlich wohl ganz mit Epheu 
bewachsen waren, hatte die intensioste Bodenkultur Platz gegriffen. 
Während auf dem platten Lande immer noch ein spärlicher An— 
bau unter dem kaum zu durchbrechenden Druck der Dreifelder⸗ 
wirtschaft mit ihrem geringen Viehstand getrieben wurde, blühte 
hier die Kultur der Handelsgewächse empor, trat der Spatenstich 
an die Stelle der gröberen Arbeit des Pfluges. Zwar hatten 
auch die größten Städte noch nicht die Spuren einst extensiver 
Kultur abgestreift; noch gab es überall städtische Gemeindewälder, 
gab es Allmenden, auf welche allmorgentlich das Bürgervieh aus— 
getrieben ward, gab es Stadthirten und Feldhüter unserer Herren 
vom Rate. Aber soweit das Landeigentum in der Nähe der 
Stadt den einzelnen Bürgern zukam, soweit verbreitete sich
	        
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