Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

224 Zwölftes Buch. Zweites Kapitel. 
die Heerstraßen auszeichneten. Noch lange lag die Aufsicht über 
die gesetzmäßig feststehende Breite der Heerstraßen auch in der 
Stadt, wie sie schon die alten Volksrechte der deutschen Stammes— 
zeit verzeichnen, in den Händen des Vertreters der königlichen 
Rechte, des Burggrafen oder des Inhabers jener Grafschaft, 
der die Stadt einst angehört hatte: er befand über unbefugt 
angelegte Vorbauten und Überhänge, über zu weit vorgestreckte 
Kellerhälse und Vorkräme, überhaupt über jede dauernde Störung 
des Straßenverkehrs. Und noch lange hielt sich als Ausdruck 
jener Befugnis das Speer- oder Lanzenrecht, nach welchem der 
Inhaber der einst königlichen Rechte selbst oder sein Vertreter 
hoch zu Roß mit quer gelegter Lanze durch die Straßen ritt 
und die Häuser in Buße nahm, an welchen die Lanze anstieß. 
Man sieht, diese alte Heerstraßenpolizei kümmerte sich nur 
um den rechtlichen Bestand der Straße, eine Verbesserung ihrer 
baulichen Verhältnisse lag ihr zunächst fern. Und wie lange 
dauerte es, ehe die Städte von ihrer Verwaltung aus sich der 
echnischen Seite annahmen. Bis an den Schluß des Mittel— 
alters waren die Straßen vielfach ungepflastert; chaussierte Wege, 
die sogenannten Steinstraßen oder Steinwege, gehörten schon 
zu den besonderen Vergünstigungen der belebtesten Stadtteile. 
Zwar pflasterte man auch schon seit dem 18. Jahrhundert — 
in Nurnberg freilich erst seit 1368, in Frankfurt seit 1399 —, 
und nicht selten hielten die Städte dazu einen eigenen städtischen 
Estricher oder Poveimeister mit Pflasterknechten, indes war dies 
doch weit mehr in den neugegründeten Kolonialstädten Ost— 
deutschlands als in den alten Kultursitzen des Westens der Fall. 
Vermutlich war die Frage der Kanalisation und des Wasser⸗ 
abflusses für diesen Unterschied mit maßgebend. Die großen 
Städte am Rhein, an der Donau und an manchen ihrer Nebenflüsse 
erhoben sich vielfach auf dem Schutt einer tausendjährigen, ge— 
legentlich bis zur Römerzeit zurückreichenden Vergangenheit: wie 
oft waren sie seit dieser Zeit zerstört und eingeäschert worden, 
wie hatten sich hier meterhoch Trümmer auf Trümmer gehäuft. 
Diese Unterlage nahm alle Abflüsse der Neustadt geduldig in 
ihre porösen Schichten auf; nicht selten sickerte das Senkwasser
	        
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