Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Ztädtisches Dasein und bürgerliche Gesellschaft. 233 
für die Kommissionen, die geschickten Freunde unserer Herren 
vom Rat; weitere Zimmer für die Rentkammern, die Spezial⸗ 
verwaltungen, die Stadtschreiberei schlossen sich an. Die unteren 
Räume umfaßten gern das städtische Arsenal, namentlich die 
kostbaren neuaufgekommenen Donnerbüchsen, die Kugeln und das 
Donnerkraut; hier hingen auch die städtischen Fähnlein und 
lagerte manch konfisziertes Gut vornehmer Missethäter. Und 
nebenan, im untersten Gewölbe des Turmes, ruhten die kostbaren 
Pergamente, die der Stadt Recht und Freiheit enthielten, wie 
ie von den alten Kaisern verliehen und von den Vorfahren 
herausgebracht waren; sorgsam gepflegt und ordnungsmäßig 
berzeichnet, standen sie unter der Aufsicht der Gewölbeherren, 
oder wie sonst die archivalische Ratskommission genannt ward. 
Trat man aber aus den Zimmern des Rathauses, sei es 
im ersten oder zweiten Stock, ins Freie, so befand man sich 
auf einem Vorbau, der meist einen freien Üüberblick über den 
Markt verstattete: das ist die Ratslaube, von der die Ver— 
ordnungen der Herren den Bürgern von Zeit zu Zeit in Morgen— 
sprachen verkündet wurden, von der man Friede und Recht, 
Acht und Verfestung ausrief und am jährlichen Ratswechsel— 
tage die neue Zusammensetzung der städtischen Kollegien kund— 
gab. Eine weniger feierliche Bedeutung hatte ein etwas tiefer 
liegender Eingang des Rathauses, er führte in den Ratskeller 
mit seiner städtischen Weinwirtschaft und in die Räume, wo 
Ratskellermeister und Ratsköche walteten: nicht unwichtige Be— 
amte mit meist hoher Besoldung und wohl gar der Pflicht, 
der Stadt Kleid nach Weise moderner Uniformen zu tragen. 
Denn der Rat war zugleich der Vertreter der Stadt gegenüber 
allen vornehmen Gästen, deren würdiger Empfang im Sinne 
des mittelalterlichen Lurus namentlich gründliches Essen und 
Triuken zur Bedingung hatte. Zu diesem Zwecke hielt die Stadt 
eigene Küche und eigeuen Keller und prunkte mit schwerem, 
Ratssaal ein jüngstes Gericht malen lassen, in dem das Domkapitel 
Anzüglichkeiten auf seine Mitglieder entdecken wollte; es gab schließlich 
einen großen Prozeß vor der Kurie. Schäfer, König Waldemar,. S. 2380.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.