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Zwolftes Buch. Zweites Lapitel.
künstlerisch ausgestattetem Silberzeug. Und auch geeignete
Repräsentationsräume für den Empfang fremder Gäste wie zu
eigenem Festgebrauch wurden im Laufe der Zeit in allen größeren
Städten hergerichtet; stattete man hier und da den Ratssaal
oder die große Halle des Kaufhauses besonders aus oder baute
dem Rathause einen Festsaal an (so in Lübeck im Jahre 1808),
so schritt man an anderen Orten geradezu zu großen selb⸗—
ständigen Luxusbauten für städtische Vergnügungszwecke: es
entstanden Ratstanzhäuser mit glänzenden Festsälen, als das
bedeutendste von allen wohl der große Kölner Gürzenich.
Aber nicht in dieser Richtung allein brachte sich der rege
Bausinn der Bürgerschaft zur Geltung. Neben den Bauten
der eigentlichen städtischen Repräsentation galt es, den Kampf
mit den Vertretern der Kirche aufzunehmen. So trat neben
die ältere Gotik der Kathedral-, Stifts- und Klosterkirchen eine
neue bürgerlich-kirchliche Gotik; ihr entstammen so außerordent⸗
liche Denkmäler wie das Münster zu Ulm und die himmel—
ragenden Marienkirchen der Hansestädte des Nordens, und ihr
gehört eine so zierliche Architektur an, wie die der vielen
Privatkapellen bürgerlicher Geschlechter und bürgerlicher Kon—
oente in fast allen Städten seit dem 14. Jahrhundert.
Freilich waren die Kirchen wenigstens des kolonialen Ostens
keineswegs bloß als Gotteshäuser gedacht. Die Lübecker Marien—
kirche war zugleich Mittelpunkt des städtischen Verkehrs; hier
schlossen die Kaufleute ihre Geschäfte ab, hier suchten die
Handwerker ihre Aufträge, hier erteilten die Bürgermeister in
einer besonderen Kapelle, deren Obergeschoß das städtische Archiv
und den Schatz barg, ihre feierlichen Audienzen, und auf dem
Chore versammelte sich noch bis in den Anfang des 19. Jahr⸗
hunderts hinein der Rat, um in feierlichem Zuge zur Sitzung
im Rathause zu schreiten. So erhielten die Kirchen wenig⸗
stens des Nordostens ein besonderes Gepräge; und wenn die
Thüre der Danziger Marienkirche die Gläubigen mit dem ein—
gemeißelten Gebete empfing Koniginne der himmele, bidde
vor uns', so mag dies Gebet im Sinne der Eintretenden viel⸗