Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

248 Zwolftes Buch. Zweites Rapitel. 
sauer Bewegung hatte einst den ersten Laienbrüderschaften in 
enger Verbindung mit den Klöstern das Leben gegeben!. Im 
Franziskanerorden hatte sich für dies Verhältnis dann eine freiere 
Form gefunden, indem die Laienbrüder in dem Unterorden der 
Tertiarier den Minoriten angeschlossen wurden. Die Tertiarier 
hlieben in ihren hergebrachten bürgerlichen Verhältnissen, nur zu 
mäßiger Askese in Fasten und Gebet wie zu gewissen Zahlungen 
verpflichtet; dafür hatten sie Anteil an den Messen, Ablässen und 
sonstigen geistlichen Vorteilen und Segnungen des Hauptordens. 
Es war eine bequeme Form zur Erreichung christlicher Voll⸗ 
kommenheit bei allem Aufgehen in die Interessen des Tages; sie 
erfreute sich weitester Verbreitung; in Brüssel sind die Weber in 
rorpore dem dritten Orden des heiligen Franz beigetreten. Und 
bald bildete sich, teilweise nach dem Muster jener franziskanischen 
Schöpfung, eine Reihe andrer geistlicher Brüderschaften in 
immer größerer Unabhängigkeit von Klerus und Kirche bis hinab 
zu jenen Kalandsbrüderschaften, die, ursprünglich rein geistlich, 
am Ende in sehr weltlichen Vergnügungen aufgingen. 
Neben den geistlichen aber standen weltliche Brüderschaften 
und Gesellschaften, in denen jene Bürger genossenschaftlich ge— 
eint waren, die außerhalb des geselligen Rahmens der Zünfte 
und der Gesellen- und Arbeiterstuben standen. Soweit es sich 
hier um die höher stehende Bevölkerung, namentlich auch um 
die alten Geschlechter handelte, schloß sich deren gesellschaft— 
liche Bildung zunächst dem ritterlichen Wesen an. So ent—⸗ 
standen in Süddeutschland und am Rhein schon früh ritterliche 
Bruderschaften befreundeter Patrizierfamilien; im Norden und 
Osten aber dauerte die Bewegung in voller Frische noch bis 
tief ins 14. Jahrhundert. Dann verschwand auch hier der speziell 
ritterliche Anstrich, und rein gesellige Genossenschaften der aristo— 
kratischen Schichten blieben übrig. Hierher gehört die selschop 
unde broderschop der städtischen Junker zu Lübeck, die im Jahre 
1374 eine Kapelle im Franziskanerkloster erwarb, hierher sind 
die Schwarzehäupter in den baltischen Städten und die Artus⸗ 
S. Band IIS S. 368 f., 377. (II1. . S. 356 f., 364)
	        
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