128 V. Ter Ktafsenhaß und die Soc.-Demokratie.
verkürzt. Wahrlich ein treffliches Mittel, Klassenhaß zu
säen, zwischen den Arbeitgebern und ihren Arbeitern eine tiefe
Kluft zu ziehen.
Auch in der Poesie werden dieselben irreführenden und
aufreizenden Gedanken verarbeitet, damit sie um so leichter
zum Herzen der Arbeiter den Weg finden. So beginnt
Joh. Most sein Gedicht: „Die Macht der Basonete "*)
mit der Strophe:
„Von früh bis spät die Arbeitskraft
„Tes Volkes sich bewähret,
„Doch Alles, was sie zeugt und schafft
„Ist Andern nur bescheeret.
„Der Hunger ist des Volkes Lohn,
„Die Noth sein hartes Bette;
„Und murrt es — zeigt sich wie zum Hohn
„Die Macht der Bajonete."
Wie cs mit dem Arbeitsertrag und dessen Vertheilung
im socialistischen Znkunftsstaat gehalten werden wird, darüber
ist sich die Social-Demokratie selbst noch nicht hinreichend
klar. Der sechste Kongreß (Koburg 1874) der social-demo
kratischen Arbeiterpartei erkannte an, „daß die Worte, voller
Arbeitsertrag für jeden Arbeiter, wissenschaftlich richtiger
formulirt werden müßten" (Bolksstaat 1874, 86). Hier
mit wird wohl zugegeben, daß der einfache Wortlaut
leicht Vorstellungen erwecken kann, die man heute gegenüber
der kapitalistischen Produktionsweise wohl geflissentlich nährt,
die aber doch auch bei der socialistischen Produktion keine
Verwirklichung werden finden können. Da die socialistische
Produktion die Arbeitstheilung wie die Arbeitsvereinigung
beibehalten wird, so kann so wenig hier wie dort der volle
*) Sechs Proletarier-Lieder, gewidmet den Arbeitern Oester
reichs von Joh. Most.