Object: Die Wirkung der Getreidezölle

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lohnend wird. Wären nun von dem letzteren zur Zeit des niedrigsten 
Preisstandes keine Vorräthe angelegt oder auf Lieferung bestellt 
worden, so müsste jetzt der Preis des einheimischen Produktes um 
mehr als den vollen Zollbetrag über den des unverzollten fremden 
stehen; da aber solche Vorräthe thatsächlich wohl immer vorhan 
den sein werden, so wird der Preis soweit emporgehen, dass die 
Besitzer derselben einen Gewinn erzielen können, aber diese Stei 
gerung wird in Folge der Concurrenz in der Regel unter dem vollen 
Zollbetrag Zurückbleiben, und zwar um so mehr, je grösser jene 
Vorräthe sind. 
So wird also schon durch die eigenthümliche Art der Einfuhr 
unter der Herrschaft der Zölle, die gleichsam stossweise und unter 
geschickter Benutzung der örtlichen und zeitlichen Preisunterschiede 
erfolgt, eine dem Zollsätze dauernd gleichkommende Verteuerung 
des Durchschnittspreises des gesammten im Inlande verzehrten 
Getreides verhindert. Dazu kommt dann bei günstigen Erntever 
hältnissen noch die Abwälzung eines Theiles des Zolles auf das 
Ausland, indem dieses genötigt wird, um sich seines Ueberflusses 
zu entledigen, mit seiner Forderung unter den bei freiem Handel 
erreichbaren Preis herunterzugehen. Diese Abwälzung ist von 
grösserer Bedeutung bei dem Roggen als bei dem Weizen, weil 
sich hinsichtlich des ersteren der Hauptsache nach nur Deutschland 
und Russland als Einfuhr- und Ausfuhrland gegenüberstehen, während 
die Nachfrage Deutschlands nach Weizen als Bestimmungsfaktor des 
Weltmarktpreises verhältnissmässig weit weniger ins Gewicht fällt. 
Als eine Abwälzung des Zolles auf das Ausland ist es aber 
auch anzusehen, wenn die den Zoll ausgleichende Verbilligung des 
fremden Getreides durch die Entwertung der ausländischen Geld 
einheit gegen Gold entsteht. Wenn Russland für seinen Weizen 
zwar dieselbe Summe in Papierrubeln, aber wegen des Sinkens des 
Kurses io Procent weniger in Mark erhält, so mag das zwar für 
die russischen Landwirte und Getreidehändler zunächst keinen 
Unterschied machen, aber dem Lande im Ganzen erwächst daraus 
dennoch ein volkswirthschaftlicher Verlust. Denn dasselbe muss 
jetzt eine grössere Menge seiner Produkte ausführen, um im Aus 
lande seine auf Gold lautenden Schuldzinsen zu bezahlen, und als 
Gegenwert für seine übrigen Ausfuhrwaaren erhält es eine geringere
	        
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