Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Fürsten und Cerritorien im späteren Mittelalter. 325 
ihr zustehende Aufgabe eines Rechnungshofes hinaus beauf— 
sichtigte. 
Jedenfalls aber war es im Verlaufe des 15. Jahrhunderts 
nicht so sehr die Aufgabe, Finanzen und Rechtspflege an der 
Centralstelle weiter zu bilden, als vielmehr die allgemeine Ver— 
waltung zu heben, wie sie in den Händen der geheimen Räte 
lag. Es konnte nicht anders geschehen, als in der Form der 
Arbeitsteilung, der Ausscheidung bestimmter Behörden für be— 
stimmte Zwecke aus ihrem gemeinsamen Schoße. 
Allein hier zeigten sich die größten Schwierigkeiten. Für 
die Räte war der Amtscharakter noch keineswegs vollkommen 
entwickelt und ausnahmslos festgehalten. Nicht selten hatten 
die Fürsten persönliche Freunde oder einflußreiche Politiker 
außerhalb des Territoriums zu Räten gemacht — etwa im 
Sinne der heute üblichen Verleihung eines Titels. Indes da 
man die bloße Titelverleihung fast noch nicht kannte, so griffen 
die so Beliehenen doch gelegentlich in die Verwaltung ein und 
brachten durch ihr Auftreten das reinere Amtsverhältnis der 
übrigen Räte ins Schwanken. Ferner stand die Zahl der Räte 
in den einzelnen Territorien noch keineswegs fest; sie schwankte 
nach Lust und Laune des Fürsten. Wie hätte sich da aus ihnen 
selbst heraus eine Gliederung entwickeln sollen? Nur zu einem 
Vorstand hatten sie es schon früh, spätestens seit dem 14. Jahr⸗ 
hundert, gebracht. Wie der Kanzler an der Spitze der geistlichen 
Beamten, so stand der Hofmeister an der Spitze der Räte, als 
der eigentliche weltliche Minister des Landes. Allein er war 
nicht so sehr Organ der Räte, wie des Fürsten: selbst wo er, 
wie z. B. in Bayern, rein politische und nicht auch noch höfische 
Funktionen hatte, war er zunächst doch nur persönlicher Ver⸗ 
treter des Fürsten gegenüber den Räten zu dessen Bequemlich⸗ 
keit. Hätte sich nun der Fürst einer so einfachen Verwaltung 
berauben sollen zu Gunsten des Verkehrs mit einer ganzen 
Anzahl von Centralstellen, außer im Fall absolut nicht mehr 
zu vermeidender Notwendigkeit? Und war nicht voraus— 
zusehen, daß mit der Errichtung solcher Centralstellen seine 
persönliche Initiative vieles von ihrer Unmittelbarkeit und
	        
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