354 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
böhmischen Ständen in der Maiestas Carolina den Entwurf einer
vereinfachten und einheitlichen Gerichtsverfassung, sowie über—
haupt einer politischen Verfassung des Landes im Sinne leiser
Neigung zum Absolutismus vor; als sie nicht angenommen
ward, führte er sie gleichwohl auf dem Verwaltungswege so
gut als möglich durch. Er ordnete weiterhin die Finanzen,
hob den Bergbau, setzte sich in den regelmäßigen Bezug großer
staatlicher Einkünfte. Er sorgte endlich in jeder Richtung für
die Hebung des Verkehrs durch Begünstigung der Städte, Aus—
bau der Wasserstraßen, Abschluß von Handelsverträgen, sowie
durch andere Mittel.
Es war eine Politik, die an sich schon in der starken Be—
tonung kommerzieller Interessen über die Grenzen des Landes
hinauswies. Und dieser Richtung folgte nach beinahe allen
Seiten hin der leidenschaftlich entwickelte Erwerbssinn des
Königs. Nicht bloß in der Richtung nach Nord, Ost und
Süden, auch nach Westen zu hat er bis zum Rheine und bis
ins Elsaß hinein zahlreiche Lehnskomplexe für das Königreich
Böhmen erworben: er konnte schließlich durch rein böhmisches
Gebiet bis nach Nürnberg, seiner Lieblingsstadt im Reiche, ge—
langen; er hat auch den Versuch gemacht, die Bistümer
Regensburg, Bamberg und Meißen dem Prager Erzbistum
unterordnen zu lassen: wer weiß, ob ihm nicht ernstlich eine
Erweiterung seiner Hausmacht auch nach Westen zu bis zum
Stammlande seines Hauses in der Eifel und in den Ardennen
vorgeschwebt hat.
Seine hauptsächlichste Sorge indes war dem Osten zu⸗
gewandt. Hier fand er auf deutschem Boden nach der Nieder—
lage der Wittelsbacher eigentlich nur noch den Wettbewerb
eines Hauses, Osterreichs. Er gewann Ruhe vor ihm durch
eine zu Brünn am 10. Februar 1364 abgeschlossene Erbver—
brüderung, wonach der einst überlebende Staͤmm beider Häuser,
sei es der Habsburger oder der Luxemburger, im voraus die
Belehnung mit den Reichsgütern des andern erhalten sollte:
es ist der Vertrag, auf Grund dessen die Habsburger des
15. Jahrhunderts in den Vesitz des ausgestorbenen Hauses
Luxemburg gelangt sind.