356 Drreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Bolko von Schweidnitz und Jauer die letzten Teile Schlesiens, die
Böhmen noch fehlten. Schlesien aber bot ihm eine Brücke nach
dem außerdeutschen Osten, nach Polen und Ungarn. In beiden
Reichen herrschte gemeinsam seit 1370 der Anjou Ludwig der
Große. An sich ein Rival Karls IV., dem er von Ungarn her
namentlich in Italien entgegentrat, ward er doch in späteren
Jahren durch die immer näher rückende Osmanengefahr zum
Anschluß an den Westen gedrängt; und Karl erreichte es, im
Jahre 1378 einen Vertrag mit ihm abzuschließen, wonach sein
zweiter Sohn Sigmund, der spätere Kaiser, die ungarische
Erbtochter Maria heiraten und nach Ludwigs Tode König von
Polen und Ungarn werden sollte. Es war einer der großen
Schritte Karls, wichtig auch für die allgemeine Geschichte: mit
der Durchführung dieses Vertrags fiel dem luxemburgischen
Hause und damit im Verfolg des Erbvertrags vom Jahre 1364
nach dessen Aussterben auch dem habsburgischen Hause der
Schutz Europas vor den Türken zu.
Es war aber zugleich auch ein Schritt, der deutlich zeigt,
wie sehr die Hauspolitik Karls aus dem Rahmen früherer ver⸗
wandter Maßregeln der deutschen Herrscher herauswuchs. Hier
handelte es sich nicht mehr bloß um Erwerbungen im Reiche,
wie Habsburger, Nassauer, Wittelsbacher sie versucht hatten,
wie sie auch dem ersten Luxemburger, Heinrich VII., genug ge—
wesen waren. Die internationale Stellung des luxemburgischen
Hauses, seine Verbindungen mit aller Welt, namentlich mit
Frankreich, hatten schon Johann, den Sohn Heinrichs, den
Vater Karls, mit höherem Ehrgeiz erfüllt; er hatte ver—
sucht, in der Lombardei ein Reich zu gründen., wenn auch
der Versuch seiner Schwäche nicht gelungen war. Karl nun
gar trieb Hauspolitik im Sinne einer Weltmachtspolitik; die
Grenzen des deutschen Reiches waren für seine Ziele gleich—
gültig, das Reich selbst nur noch ein Bestandteil seiner Be—
rechnungen.
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