358 Dreizehutes Buch. Erstes Kapitel.
lich unter Verschleuderung fast der letzten wichtigen Reichs—
güter, auch die Kurfürsten. Zwar nicht mit Begeisterung, kaum
mit Wohlwollen, aber dennoch mit Stimmeneinheit ward
Wenzel schließlich am 10. Juni 1376 zu Frankfurt, eben fünf⸗
zehnjährig und damit mündig, gewählt. Und bald darauf,
schon am 6. Juli, folgte zu Aachen die Krönung.
Mit dem Papste Gregor RXI., der befürchtete, wenn ein
deutsches Erbkönigtum zu stande käme, das Recht zur Bestätigung
des römischen Königs zu verlieren, machten sich noch langwierige
Verhandlungen nötig. Im Februar 1378 erklärte sich Gregor
bereit, Wenzel in einem öffentlichen Konsistorium als römischen
König zu verkündigen, doch sollte dieser die Approbationsbulle
erst erhalten, nachdem er sich eidlich verpflichtet hätte, bei seinen
Lebzeiten keinen Nachfolger in Deutschland wählen zu lassen.
Die Bulle wurde ausgefertigt, und die Gesandten rüsteten sich
eben zur Heimkehr von Rom, da starb Gregor am 27. März
1378, bevor er sein Versprechen eingelöst und Wenzel bestätigt
hatte. Von dem neuerwählten Urban VI. hatten die Gesandten
gehofft, er werde alsbald die Verkündigung Wenzels vornehmen,
aber sie wurden schroff abgewiesen. Erst als Urban durch den
Abfall der französischen Kardinäle, der dann zur Aufstellung
des Gegenpapstes Clemens VII. in Avignon und zu dem
großen Schisma führte, seine Stellung unterwühlt fühlte, ließ
er sich herbei, Karls Wunsch zu erfüllen und Wenzel zu approbieren!.
So war noch kurz vor dem Tode Karls das große Ziel
erreicht: Wenzel war in aller Form und ohne Anstand von
irgendwelcher Seite her zum deutschen König gewählt worden;
unbestritten konnte er dem Vater folgen. Es war nach Karls
Anschauung gewiß der glänzendste Erfolg seiner Reichspolitik.
Freilich: diesem Erfolge war fast jede andere Einwirkung Karls
im Reiche dienstbar gemacht worden; und somit hatte diese
Politik ihren letzten Zielen nach schließlich nur den luxem⸗
burgischen Hausinteressen gegolten. Neben ihr aber waren all—
mählich wirr, regellos, doch kräftig und schon gegenseitigen
1 Steinherz, Das Schisma von 1378 und die Haltung Karls IV.
Mitteil. des österreich. Instituts 21, 599 639.